Moment mal: Das hat wohl gesessen

Sigmar Gabriel hat auf eine Kanzlerkandidatur verzichtet und wird auch den Parteivorsitz abgeben. Ich finde eine kluge Entscheidung eines Politikers, der wohl schon eine ganze Weile über diesen Entschluss nachdachte.

Der neue starke Mann der SPD ist damit Martin Schulz. Er tritt gegen Angela Merkel an und an den ersten Reaktionen aus den Reihen der CDU/CSU konnte man eine Unsicherheit erkennen. Kann die Kanzlerin gegen seine Kenntnisse der EU überzeugen? Wird man ihm nicht viel mehr Kompetenzen im Umgang und damit Zusammenhalt der EU zutrauen? Er ist einer der, wenn es sein muss, auch mal Fraktur redet. Er hat Erdogan die Stirn geboten, als die Kanzlerin sich noch voller Demut vor ihm verneigte. Kurzum er ist ein außenpolitisches Schwergewicht.

In der Innenpolitik ist er völlig unbelastet und das ist zugleich eine Stärke als auch eine Schwäche. Man kann ihn innenpolitisch nicht einschätzen. Hier wird er in den nächsten Monaten einiges erklären müssen.

Ob mit ihm ein Umschwung in der Bundesrepublik erfolgen kann, hängt nicht nur von ihm, sondern auch von den Wählerinnen und Wählern ab. Ob sie bereit sind einem der sich bisher auf europäischer Ebene verdient machte auch national eine Chance zu geben, das wird sich zeigen. Im Moment jedenfalls könnte es sein, dass die Kanzlerin erstmalig einen Kanzlerkandidaten gegen sich bekommt, der zumindest eine Minimalchance hat, gewählt zu werden. Es könnte ein spannenderer Wahlkampf werden, als man bisher glaubte.

Jedenfalls dann, wenn die SPD hinter ihrem Kandidaten steht und nicht wie so oft erst auf das Schild hebt, um ihn dann systematisch zu demontieren. Dann allerdings hätte diese einstmals so stolze Partei wohl endgültig ihre letzte Chance verspielt.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

7 Kommentare zu “Moment mal: Das hat wohl gesessen

  1. WernerBln sagt:

    Also der überzeugte Europakämpfer Schulz? Ich sehe eher, dass der beim ersten Anzeichen eines möglichen Scheiterns der EU die Rolle rückwärts ins Inland gemacht hat, dass es nur so staubt. Erinnere ich mich falsch, dass selbiger Herr Schulz vor wenigen Wochen jede Ambitionen auf das Kanzleramt von sich gewiesen hat? Selbst wenn ich mir nun hier den Zorn zuziehe: Ich halte ihn für den typischen EU-Politiker, der als wesentlichste Fähigkeiten lavieren, intrigieren, täuschen und tricksen zum Ziel „Schulz first“ verkörpert. Ich fürchte, mit dieser Figur hat die SPD wirklich ihre letzten Chancen verspielt.

    Ehrlich gemeint, das ist angesichts der Geschichte dieser Partei auch aus meiner Sicht sehr bedauerlich.

    Gefällt mir

    • sigurd6 sagt:

      …dass selbiger Herr Schulz vor wenigen Wochen jede Ambitionen auf das Kanzleramt von sich gewiesen hat?

      Das ist doch normal, damals galt, jedenfalls offiziell, Gabriel noch als Kanzlerkandidat.

      Gefällt mir

  2. nana sagt:

    Also ich finde es ausgesprochen unangemessen, dass sich die SPD überhaupt einen „Kanzlerkandidaten“ gönnt. Mit welchem Anspruch denn? „Spitzenkandidat“ täte es auch.

    Schulz kenne ich nicht gut, ich habe mir über den Mann kein Bild gemacht. Eines dürfte aber jetzt schon kkat sein – „Journalisten“ und politische Gegner werden tief im Dreck wühlen, um ihn dann damit zu bewerfen.

    Gefällt mir

    • nana sagt:

      kkat = klar

      Gefällt mir

    • sigurd6 sagt:

      Weshalb soll die SPD keinen Kanzlerkandidaten ernennen? Ich fand es schlimm, als die SPD vor einem Jahr überlegte, ohne eigenen Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen. Schließlich hat die Partei in der jetzigen Regierung keine schlechte Arbeit geleistet. Nur kommt es komischerweise bei der Bevölkerung nicht an.

      Mit dem Dreck bewerfen musst Du nicht lange warten. Damit begann man in der Onlineausgabe des Berliner Tagesspiegels schon gestern.

      Gefällt mir

  3. rabohle sagt:

    Ich denke, es war die richtige Entscheidung. Nur so kann die Chance bestehen, die verlorenen Wählerstimmen wieder zu gewinnen.

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.