Die Zeit mit der Band (Teil I)

In den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten es heranwachsende nicht einfach. Es war die Nachkriegszeit und der Mief der Nazizeit war noch überall, ja auch in den Schulen, zu spüren. Kinder und Jugendliche hatten nichts aber auch rein gar nichts zu sagen. Einer der Leitsprüche der Erwachsenen und die, die sich dafür hielten war, „wenn Erwachsene sich unterhalten, hast du ruhig zu sein“. Die Sonntage waren eine Qual. Man durfte nicht einmal laut Luft holen. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.

Musik für junge Menschen gab es kaum und wenn dann durfte man sie höchstens ganz leise hören. Natürlich gab es dagegen Widerstand. Die sogenannten Halbstarken begehrten auf gegen die „Alten“ und irgendwann musste der Dampf, der sich unter der spießigen Glocke entwickelte, entweichen. Einige Ventile gab es ja bereits. Da war Elvis, Bill Haley und Little Richard so richtig ab ging es jedoch erst mit den Beatles aus Liverpool.

Es war, wie eine Explosion als der erste Song der „Pilzköpfe“ in Deutschland in den Hitparaden erschien und im Schlepptau der Beatles kam eine ganze Invasion des sogenannten Mersy-Sounds über Europa. Niemand ahnte jedoch wie gerade diese Band und die Musik, die sie spielten, die Welt verändern würde. Jugendliche ließen sich die Haare wachsen und die Eltern waren fassungslos und wütend. Wir fanden plötzlich alles „Fab“ ohne eigentlich zu wissen, was das ist. Und natürlich steckte einen der Sound aus Liverpool an und ich musste unbedingt eine Klampfe (Gitarre) haben. Also wurde mal kurz gespart und eine gebrauchte Elektrogitarre und ein steinalter Verstärker gekauft. Leider ohne Kopfhöreranschluss und das gefiel unseren Nachbarn nicht immer.  Die waren eben Musikbanausen.

Als ich eines Abends in meiner Stammkneipe saß, kam ein ehemaliger Schulkamerad herein und wir kamen sogleich ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er im Keller ein Schlagzeug hatte und dieses ständig malträtiert. Und so verabredeten wir uns für einen der nächsten Tage, um gemeinsam zu spielen. Da muss ich gleich einflechten, seine Eltern waren einfach klasse. Was die aushalten mussten, war enorm. Denn weder ich noch er hatten je Unterricht an Schlagzeug oder Gitarre. Natürlich war einiges aus dem Musikunterricht hängen geblieben, aber das war es dann auch schon. Egal wir waren mit Eifer bei der Sache und es hörte sich manchmal direkt nach Musik an. Aber eigentlich waren wir wohl die Erfinder des Punk. *lach*

Nun ein Schlagzeug und eine Gitarre mit einem begnadeten Sänger *hüstel, hüstel* war natürlich etwas dünn für eine Band. Da sollte uns der Zufall helfen. Eines Abends saßen wir wieder in unserer Stammkneipe, die soweit ich mich erinnern kann, damals alles andere, als eine Kneipe war. Studenten und Künstler waren dort überwiegend Gäste und an einem jeden Tisch hing eine Musikbox an der Wand. Also besser geschrieben, man konnte von dort die Songs auswählen. Die eigentliche Musikbox stand wohl im Keller. Und jeder konnte dann am Tisch die Musik hören. Sie kam aus wirklich guten Lautsprechern. Auch die Lautstärke ließ sich Regeln. Doch das nur als Marginalie. Wir fachsimpelten also mal wieder über Musik und ließen uns die neuesten Songs aus der Musikbox vorspielen, sie war stets mit brandneuen Songs bestückt, als wir vom Nebentisch angesprochen wurden ob wir den noch jemanden suchen würden der mit uns spielt. Aha Lauscher hatten wir also auch.

Natürlich suchten wir und baten beide „Lauscher“ an unseren Tisch. Schnell wurde uns klar, das passt. Sie hatten in etwa unseren Musikgeschmack und der erste Eindruck von ihnen war sehr positiv. Wie sich herausstellen sollte, sollten wir damit recht behalten. Wir wurden sehr schnell richtig gute Kumpels. Klar es rauchte manchmal schon aber das ist normal, wenn man etwas gemeinsam voranbringen möchte. Und es passte auch von der Besetzung. Ein Lead- und ein Bassgitarrist waren gefunden und schon einige Tage später gab es die ersten gemeinsamen Versuche. Sie waren so, dass wir glaubten, es passt zusammen. Also ging es an die Auswahl der Songs, die wir dann probten und probten und probten. Hatte ich schon erwähnt, welch göttliche Geduld die Eltern unseres Schlagzeugers hatten? Klar hatte ich schon.

Wir probten in einem Keller und eines Tages war ich etwas später dran und die Jungs hatten schon angefangen zu proben. Ich ging die Straße entlang auf das Haus zu und hörte schon von Weitem die, na ich schreibe mal, Musik. So laut hatte ich mir das nicht vorgestellt. Doch komisch es regte sich niemand aus der Nachbarschaft auf. So waren wir fast komplett und was noch fehlte waren Verstärker, die diesen Namen auch verdienten. Vernünftige Mikrofone und eine Echolette. Wir mussten das alles so nach und nach anschaffen und bald waren wir dann auch fünf. Denn es kam noch einer mit Gitarre. Nur ein vernünftiger Keyboarder war nicht zu finden und den hätten wir gut gebrauchen können.

Bald schon sollten die ersten Auftritte folgen, und wie abenteuerlich die manchmal ausfielen, schreibe ich lieber nicht. Denn wenn ich daran denke wie wir oftmals zu den Auftritten fuhren bekomme ich noch heute Schweißausbrüche. Aber wir haben es überlebt und das war schon viel wert. Hört sich dramatisch an? Glaubt mir das war es auch.  Sicherheitsgurte gab es damals noch nicht und Musikinstrumente und Verstärker waren um uns herum platziert.

Dieser Instrumentalsong war damals unser nachgespieltes Erstlingswerk. Gespielt von den Beatles, die wir komischerweise damals gar nicht so toll fanden.

ENDE TEIL 1 (wird fortgesetzt)

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14 Kommentare zu “Die Zeit mit der Band (Teil I)

  1. JanJan sagt:

    War sicher eine schöne Zeit 🙂

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  2. Helen sagt:

    Wenn Sie die 50-60er meinen, dann hört sich das Abenteuerlich an. Ich war damals Oberschülerin und wir gingen nachmittags an einem Tag (welchen weiß ich nicht mehr) in ein Klubhaus zum Tanztee. Hört sich heute spießig an, aber damals gab es noch getrennte Klassen nach Jungen und Mädchen. An den Oberschulen war das dann nicht mehr so. Der Tanztee damals war in einem Haus fr ältere Leute. Aber es gab Musik vom feinsten, besonders für uns junge Leute. Und was glauben Sie, wie rüstig die Omas und Opas waren. Sie hatten all ihre Zipperlein vergessen und legten eine Sohle aufs Parkett. Ach so, die Musik – das waren auch Omas und Opas. Und so nach 2 Stunden gingen wir vollkommen erledigt, aber glücklich nach Hause.

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    • sigurd6 sagt:

      Die, die Musik machten waren auch Omas und Opas? Und das hat Euch damals gefallen? 😉

      In meiner Geburtsstadt gab es fast jeden Sonntagnachmittag eine Tanzveranstaltung für junge Leute. Teilweise mit mehreren Bands. Wir mussten dann immer die Durchsagen machen, wenn Jugendliche unter 16 Jahren um 18:00 Uhr den Saal verlassen musste und Gleiches nochmals um 22:00 Uhr, wenn Jugendliche unter 18 Jahren nach Hause mussten. Ich hatte damals als Bandmitglied eine Sondergenehmigung. Ich war ja auch noch keine 18 Jahre. Und das Jugendamt kam sehr oft kontrollieren. War eben noch eine andere Zeit. Sag mal heute einem unter 16jährigen er soll ab 18:00 Uhr nach Hause gehen. Die Antwort würde mich interessieren. Ich weiß auch gar nicht, ob das Jugendschutzgesetz jemals geändert wurde.

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      • Helen sagt:

        Dieser Tanztee war vor allem für die ältere Generation, aber wenn wir jungen Leute auftauchten, ging die Musik richtig ab, als hätten die Musiker auf uns gewartet, um richtig loslegen zu können. Es gab eben noch wenige Jugendklubs, und abends durften wir dann auch nicht mehr auf die Straße. Also mußte der Nachmittag herhalten. Es waren andere Zeiten und es ging gesittet zu, jedenfalls nach den Vorstellungen der Eltern. Aber vielleicht war es auch so. wir hatten kein Handy, kein eigenes Jugendprogramm, FS gab es nicht, also mußten wir uns selbst etwas einfallen lassen. Und ich denke, Ihre Tanzwütigen waren aus dem selben Holz geschnitzt, sie wollten tanzen. Und wenn eine Band dabei war, war der Jugendliche hipp und zufrieden. Das ging ohne Spektakel und hatte auch Einlagen, die uns begeistert haben und die Verabredungen für den nächsten Treff wurden getroffen. Wir hatten getanzz, gelacht, geschnattert un d unsere Münzen nachgezählt, ob man noch etwas(!!!) bestellen konnte. @Sigurd, Sie haben da ein Thema angeschnitten, das für die heutigen Jugendlichen Mittelalter erscheint, es war ja auch im vergangenen Jahrhundert.

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        • sigurd6 sagt:

          Das können die heutigen Jugendlichen und auch einige Generationen vor ihnen gar nicht mehr verstehen. Aber es war eben die Nachkriegszeit, obwohl das Kriegsende schon 20 Jahre zurücklag. Und es war unsere Jugendzeit. Ich glaube das ist ohnehin einer der schönsten Lebensabschnitte. Obwohl ich mich als Rentner auch pudelwohl fühle. 😉

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          • Helen sagt:

            Ich komme gerade von einer Tour mit der Srtaßenbahn zurück, weil ich mit Regen gerechnet hatte. Da die Tram eben nur im Osten unterwegs ist, wählte ich die Linie 16 nach Ahrensfelde.Ich bin eine Haltestelle vorher ausgestiegen und dann weiter getippelt. Aber diese Route nehme ich mir nochmal vor, allerdings mit leichteren Schuhen und gekehrten Splitstraßen. So hipp ist das Rentnerleben. Vor allem muß man die Zeit nutzen solange man noch fit ist. Dann auf ein Neues.

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  3. Ditschi sagt:

    Das klingt nach einer tollen Zeit…

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