Die Zeit mit der Band (Teil II)

Wir hatten uns also zusammengefunden, Songs einstudiert und sogar schon einige Auftritte gehabt. Was sollte da noch kommen? Wir waren doch am Ziel. Dachten wir, doch da gab es noch den Bruder unseres Schlagzeugers und der war so etwas wie unser Manager, wenn auch sehr locker. Und als wir eines Abends probten, kam er in den Keller und sagte: „Jungs packt euren Kram zusammen ich habe euch für einen Beatwettbewerb heute Abend angemeldet.“ Na prima das war ganz großes Kino. Unsere Begeisterung hielt sich deutlich in Grenzen.

Als wir ankamen, war uns nicht wohl. Eigentlich hatten wir überhaupt kein Konzept, wussten nicht, was wir dort überhaupt sollten und Lust hatten wir eigentlich auch keine. Aber wir traten auf. Ich habe keine Ahnung, wie wir dort abgeschnitten hatten und es war mir auch egal. Ich war sauer, richtig sauer. Nicht über uns, sondern das blöde Publikum und auch das hatte nichts mit uns zu tun.

Es trat eine Band auf und die waren richtig gut. Sie spielten drei Songs, die sie selbst getextet und komponiert hatten. Sie sind damit gnadenlos durchgefallen und wurden dazu noch gnadenlos ausgepfiffen. Sie hatten eben nicht die Songs gespielt, die gerade aktuell waren. Schade um die Jungs und ich hoffte sie würden sich davon nicht entmutigen lassen. Leider habe ich sie nie wieder getroffen. Jedoch hat mich die Reaktion des Publikums geärgert. Denn alle Bands, die an dem Wettbewerb teilnahmen, hatten ihre Musik neidlos anerkannt. Na ja das Publikum ist manchmal eben auf gängige Musik getrimmt.

Nun diesen Wettbewerb hatten wir hinter uns und irgendwann wurde mir das alles irgendwie zu viel. Ich befand mich in der Endphase meiner Ausbildung, spielte sehr intensiv Fußball, war im Winter ein begeisterter Wintersportler und machte mit der Band Musik. Etwas musste darunter leiden und leider war es die Ausbildung. Seit Monaten hatte ich keinen Eintrag mehr in mein Berichtsheft geschrieben. Gibt es das heute eigentlich noch? Ich musste einen Tagesbericht eintragen und wöchentlich über ein arbeitsspezifisches Thema schreiben. Nun ich war schon immer ein Minimalist doch irgendwann musste ich mich dann doch aufraffen, die Berichte nachzuschreiben. Die Gehilfenprüfung rückte immer näher.

Auch diesen Song spielten wir nach.

Also, was tun? Meine Pläne nach der Ausbildung nach Berlin zu gehen wurden auch immer konkreter, so sah ich also keine Zukunft mehr in unserer Band. Und es war nicht mehr als ehrlich, ich musste es meinen Bandkumpels beibringen. Ich musste ihnen erklären, dass ich für mich mit der Musik keine Zukunft sah. Da kam mir mal wieder ein Zufall zu Hilfe. Ich war ein paar Tage krank und als ich dann wieder zu den Proben kam berichteten mir die Jungs, dass sie einen kennenlernten, der spielte eine 12seitige Gitarre. Und was noch besser passte er sang auch sehr ordentlich. Puh da packte ich die Gelegenheit beim Schopf und sagte Leute sucht er Anschluss an eine Band? Ja wurde mir erwidert. Dann holt ihn euch. Es gab Proteste wir sind mittlerweile fünf und noch einen Gitarristen brauchen wir nicht wurde mir erklärt. Doch sagte ich, denn könnt ihr brauchen, ich werde nämlich ausscheiden.

Die Verwunderung über meinen Entschluss war sehr groß, da ich, bei aller Bescheidenheit, stets die Fühler in den neuesten Musikrichtungen und auch einen Riecher für sogenannte Gassenhauer hatte. Man konnte sich nicht vorstellen, dass ich ohne Musik leben konnte. Ehrlich geschrieben ich eigentlich auch nicht. Aber man muss eben Prioritäten setzen im Leben. Und so erklärte ich den Jungs meine Gründe und sie waren froh, dass die Gründe nichts mit der Band sondern allein mit meiner Lebensplanung zu tun hatten und ich es ehrlich fand, sie davon rechtzeitig in Kenntnis zu setzen.

Eine Woche später kam der „Neue“ spielte und sang mit uns und ich war sehr angetan. Vier Wochen vor meiner erfolgreich bestandenen Gehilfenprüfung gab ich dann meine „Abschiedsvorstellung“. Es lief an diesem Abend nicht richtig gut. Die Stimmung war auch nicht besonders und eigentlich war ich froh dieses Kapitel schließen zu können.

Leider löste sich die Band ca. 1 ½ Jahre später ganz auf. Das habe ich allerdings nur durch Zufall erfahren. Als ich zu einem kurzen Urlaub in meiner Geburtsstadt weilte, hat es mir ein ehemaliges Bandmitglied erzählt. Die Trennung wurde leider aus persönlichen Differenzen in der Band vollzogen. Schade aber selten war das in dieser Zeit nicht.

Nun ja ich arbeitete ja mittlerweile eh als „Entwicklungshelfer“ in Berlin. Und hatte keinerlei Ambitionen je in meine Geburtsstadt für immer zurückzukehren. Auch, und das muss ich zugeben, wenn mir die Musik manchmal sehr fehlte.

Nun ja und seit dieser Zeit muss die Musikwelt eben ohne mich auskommen.

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6 Kommentare zu “Die Zeit mit der Band (Teil II)

  1. JanJan sagt:

    In Berlin bist du dann nie wieder in einer Band gewesen?

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  2. Ditschi sagt:

    Hast du denn noch Kontakt zu den Bandmitgliedern…

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