Syrien und kein Ende des Leidens

Seit über 6 Jahren tobt der Krieg in Syrien. Seit 6 Jahren starben über hunderttausend Menschen, sind Millionen vor diesem Krieg auf der Flucht, werden Kinder traumatisiert, werden von Zivilisten bewohnte Gebiete und selbst Krankenhäuser bombardiert. Mehrere meist halbherzige Versuche, die Kriegsparteien an einem Tisch zu bekommen, um Syrien endlich Frieden zu bringen, scheiterten mehr oder minder kläglich.

Vor einigen Jahren wurde Giftgas eingesetzt und nachdem es empörte Reaktionen gab, zeigte sich Assad bereit alles Giftgas abtransportieren zu lassen. Nun wurde wieder Giftgas eingesetzt und wieder ist die Empörung groß. Die EU und die USA machen Assad für diesen widerlichen Angriff verantwortlich, Russland natürlich die Rebellen.

Leute merkt ihr eigentlich noch irgendetwas? Gegenseitige Schuldzuweisungen zeugen doch entweder von Hilflosigkeit oder grenzenlosem Egoismus. Wie lange müssen die Menschen in Syrien diesem Wahnsinn eigentlich noch zusehen, ja sind ihm hilflos ausgeliefert? Wie lange noch sind Bomben für Russland und Amerika die einzige Option? Natürlich mit völlig unterschiedlichen Zielsetzungen. Russland stützt Assad und Amerika möchte ihn stürzen.

Der türkische Diktator möchte mit allen Mitteln einen autonomen Kurdenstaat auf ehemals syrischem Gebiet verhindern und Saudi-Arabien kocht auch noch mit im syrischen Eintopf. Der Iran scheint genau wie Russland kein Interesse an einem Sturz von Assad zu haben.

Die ISIS, ich weigere mich weiterhin IS zu schreiben, scheint weitestgehend geschlagen. Sicher kann man sich jedoch nicht sein.

Nein ich wollte eigentlich nichts mehr über diesen Krieg schreiben. Es ist ja ohnehin zwecklos. Allerdings der neuerliche Giftgasschlag, wer auch immer dafür verantwortlich ist, ist derart ungeheuerlich, womit ich das monatelange Bombardement auf Aleppo nicht verharmlosen möchte, dass es an der Zeit ist endlich einen ernsthaften Versuch zu wagen dem geschundenen Land Frieden zu bringen. So unwahrscheinlich das im Moment auch sein mag. Allerdings bedarf es dazu der Einsicht derer, die auf kosten Syriens ihre Interessen wahrnehmen. Und hier habe ich wenig Hoffnung. Dazu sind zu viele unterschiedliche Interessen vorhanden.

Müssen wir also die schrecklichen Bilder dieses sinnlosen Massakers weiter anschauen? Ich fürchte ja. Solange die überwiegende Sorge der Europäer darin besteht, dass zu viele Flüchtlinge kommen könnten, man die Kriegsparteien jedoch weiterhin mit Waffen versorgt, solange die Großmächte ihre Interessen vor die der Menschlichkeit stellen, solange Türken, Saudis, Iraker, Iraner und die ISIS in Syrien nicht einlenken, solange wird es auch nicht den geringsten Ansatz eines Friedens geben.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

10 Kommentare zu “Syrien und kein Ende des Leidens

  1. Mondbub sagt:

    Guten Morgen nach Berlin,

    auch wir haben wenig Hoffnung, dass unsere syrische Familie, die drei Jahre lang auf der Flucht war und die morgen seit einem Jahr bei uns lebt, ihre Heimat wiedersehen wird. Die Eltern bzw. Großeltern leben noch in Kurnaz und Hama und wir haben über Skype gesehen, was dort los ist. Es fehlen gerade die Worte…

    LG

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    • sigurd6 sagt:

      Im Moment sieht es jedenfalls nicht gut aus. Aber vielleicht können sie ja doch eines Tages in ihre Heimat zurück. Wenn sie es dann überhaupt noch möchten.

      Fast hätte ich geschrieben ich kann mir vorstellen, was da los ist, jedoch glaube ich das übersteigt unsere Vorstellungskraft bei Weitem. Es ist einfach nur schlimm.

      Viele Grüße in die Heide

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  2. WernerBln sagt:

    Ich weis nicht, ob und was Ihnen die Eltern über WK II erzählt haben. Da ging es nach den Schilderungen meiner Eltern (und nach historischen Quellen) auch nicht viel anders zu (vgl. z.B. nur mal Opferzahlen an Zivilisten in Hamburg und Dresden). Und ja, das war von D ausgelöst, keine Frage.

    Aber wer hat eigentlich den Bürgerkrieg in Syrien ausgelöst, möglicherweise, vielleicht und gegen alle inzwischen gepflegten ideologisch gefärbten Varianten, die Syrer auch selber? Dass daraus inzwischen ein x-facher Stellvertreterkrieg mit den von Ihnen genannten Protagonisten geworden ist, sei unbestritten.

    Trotzdem kann ich nicht ganz nachvollziehen, weshalb alle Syrer pauschal als unschuldige und unbeteiligte Opfer angesehen werden. Was waren dann die Opfer in D?

    Ich habe auch ein ungutes Gefühl, wenn ich Syrer im besten Mannesalter hier als Flüchtlinge sehe, während deren Familien im Kriegsgebiet sitzen.

    Ich denke, so einfach ist das alles nicht!

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    • sigurd6 sagt:

      Wer den Krieg in Syrien letztendlich auslöste oder dabei kräftig mitrührte ist, jedenfalls für mich, letztendlich irrelevant. Ob die von den USA unterstützten Rebellen, oder der von Russland unterstützte Assad. Leidtragende sind die, die wie die meisten Menschen in Frieden leben möchten und von den kriegsführenden Parteien, seit über 6 Jahren geknechtet werden.

      Und wo werden in meinem Thread Syrer pauschal als unschuldige und unbeteiligte Opfer angesehen? Was dieser Krieg nun allerdings mit dem 2. Weltkrieg zu tun hat, eröffnet sich mir nun überhaupt nicht. Rechtfertigt es das Leid der Menschen in Syrien oder was wollen sie mir damit sagen?

      Der Krieg in Syrien ist mittlerweile zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Amerika und Russland geworden und im Moment an einem besonders kritischen Punkt angekommen, der zu einer noch größeren Eskalation beitragen könnte.

      Schon deshalb sollten alle Parteien daran interessiert sein, verbal und materiell abzurüsten. Es sei denn es ist gewollt und sie haben daran kein Interesse. Dann jedoch, so ist zu befürchten, steuern wir auf eine größere Auseinandersetzung zu. Dagegen war dann der 2. Weltkrieg wohl eher „harmlos“.

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    • rabohle sagt:

      „Ich habe auch ein ungutes Gefühl, wenn ich Syrer im besten Mannesalter hier als Flüchtlinge sehe, während deren Familien im Kriegsgebiet sitzen.“

      @WernerBln
      Das liest sich so etwas nach „Volkssturm“ (wenn schon diese unglückliche Vergleichsziehung zum WWII).

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    • Helen sagt:

      Ihrem letzten Absatz stimme ich zu. Ich frage mich überhaupt immer, wer soll denn in den Ländern etwas ändern oder richten, wenn die Leute ihre Länder verlassen. Warten sie etwa darauf, daß andere das wieder in Ordnung bringen. Und so sieht es für mich aus.

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  3. die selbsternannte „wertegemeinschaft“ beschränkt sich darauf, ihre humanen absichten nur noch zu heucheln. für „den westen“ ist es auch völlig normal, dass im syrischen stellvertreterkrieg von angeblich liberalen medien und politikern beschuldigungen ohne beweise ausgesprochen werden. so wie auch in diesen tagen.

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