Moment mal: Menschenverachtend?

Oft liest man im Zusammenhang mit den Mittelmeerflüchtlingen, es sei menschenverachtend wie sie nach ihrer Rettung aus Seenot untergebracht werden. Ja die Rettung an sich wäre schon menschenverachtend und man sollte sie nicht nach Europa bringen, sondern quasi an den Absender zurückschicken. Das wiederum finden andere wieder menschenverachtend. So wird die Menschenverachtung hin und hergeschoben.

Die Bundesregierung sowie die EU haben, auch mehrere Jahre nach Beginn der großen Flüchtlingswanderung, kein schlüssiges Konzept wie man einerseits die Menschen vor dem fast sicheren Tod im Mittelmeer bewahrt, noch wie man die Außengrenzen Europas schützt. Gerne beruft man sich darauf, dass man in Libyen keine adäquaten Ansprechpartner findet.

Doch wenn schon menschenverachtend, dann ist die Einstellung der EU es. Bis heute ist außer Lippenbekenntnissen gegenüber afrikanischen Staaten kaum etwas zur Verbesserung der Lebensumstände in diesen Ländern geschehen. In Ländern die jahrhundertelang nicht nur durch Sklaverei und Ausbeutung der Bodenschätze gelitten haben. Nein in der Neuzeit sind sie das Endlager für den Wohlstandsschrott Europas geworden. Kinder spielen auf Halten von Elektroschrott, suchen dort nach etwas verwertbaren um ihren Familien beim Überleben zu verhelfen. Giftmüll wird irgendwo verkappt oder so unsachgemäß deponiert, dass die Menschen krank werden. Und wenn sich dann hunderttausende auf den Weg in die Länder machen, von denen der Schrott kommt, ist die Verwunderung groß. Viele, vor allem junge Menschen in Afrika, träumen von einem besseren Leben in Europa. Denn wer so viel Schrott produziert, dem muss es doch gut gehen.

Dafür nehmen sie fast jede Gefahr auf sich und werden so leichte Beute für Schlepperbanden. Und wenn man sie dann im Mittelmeer auffischt, möchte man sie am liebsten gleich wieder entsorgen. Eben wie Elektroschrott oder Giftmüll.

Ich finde die Politik „unserer“ Regierungen menschenverachtend. Doch viele Menschen in den europäischen Staaten unterstützen sie. Den man wird doch wohl noch in Ruhe in Europa, und sei es auf Kosten anderer, leben dürfen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

3 Kommentare zu “Moment mal: Menschenverachtend?

  1. WernerBln sagt:

    Ich verstehe Ihren Beitrag so, dass an allem Elend in Afrika (und sonst wo noch) nur die Europäer historisch und aktuell schuldig sind.

    Diese Theorie vermag ich allerdings nun gar nicht zu teilen.

    Nach mehr als einem halben Jahrhundert „Entkolonialisierung“ und Entwicklungshilfe müsste doch wohl irgendwo mal sowas wie Fortschritt zu entdecken sein? Wo versanden die Mrd. eigentlich?

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/entwicklungshilfe-helfen-die-miilliarden-ueberhaupt-13551128.html

    Ach ja, die Afrikaner haben damit als unschuldige Opfer natürlich nichts zu tun?

    Was die Situation im Mittelmeer betrifft gibt es ja wohl, um den Schleusern das Handwerk zu legen, nur die Alternative, alle aufzunehmen oder die aus Seenot Geretteten genau wieder dahin zurückzubringen, wo sie hergekommen sind. Ich bin da eindeutig für die zweite Alternative und ich gestehe auch, dass für mich die Zukunft meiner Familie und meines Landes absolute Priorität haben.

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  2. Helen sagt:

    Ich glaube, ich habe Ihren Beitrag auch nicht richtig gelesen. Denn ich hatte ähnliches zu schreiben, bin nur gestern nicht zum Schreiben gekommen. Afrika soll sich nicht immer auf die alten Zeiten beriufen, nein wir tun das, es liegt an den Afrikanern selbst. Warum nehmen sie den Schrott auf und vor allem wer nimmt ihn auf? Den Regierungen ist es doch egal, Hauptsache es gibt Geld dafür. Das sind die Schulldigen in diesem Fall.

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