Ich flieg auf Berlin

Viele fliegen von und nach Berlin und viele starten und landen noch immer auf dem Flughafen Tegel. Und dabei sollte doch am 2. Juni 2012 um 22:50 Uhr die letzte Maschine von Tegel abheben und danach wäre der Flughafen Tegel geschlossen worden. Denn am 2. Juni 2012, also heute vor 5 Jahren sollte der Flughafen BER in Berlin Schönefeld eröffnet werden. Am 2. Juni 2012 hätten die ersten Flugzeuge auf dem Willy Brandt Flughafen landen sollen. Doch aus der Eröffnung wurde, wie wir alle wissen nichts.

Es gab nur Bruchlandungen verantwortlicher am BER und die unglaubliche Schlamperei ist auch nach 5 Jahren nicht in den Griff zu bekommen. Was eine Eröffnung 2018 bisher als Utopie erscheinen lässt. Man hört sehr oft, dass man dieses Balkanwerk abreißen und dann richtig aufbauen sollte. Doch auch das hat man verpasst und so wird der BER wohl eine einzige Flickschusterei bleiben und weiterhin Unmengen an Geld verschlingen.

Auf die nächsten 5 Jahre auf dieser „Superbaustelle“ ohne Perspektive. Wie sagte doch der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nach der geplatzten Eröffnung des BER?

„Wir wollen die Verzögerung so gering wie möglich halten.“

Na dann …

Bitte nicht schießen …

Im Juni 1967 besuchte der Schah von Persien Berlin und es kam zu erheblichen Protesten gegen ihn. Wo der Schah auch auftauchte, Demonstranten begrüßten ihn stets „freudig“. Es kam zu Vorfällen, die den, der sie damals sah oder miterlebte noch heute wütend machen. Schlägertrupps des Schah prügelten auf deutschem Boden auf Demonstranten mit dicken Latten ein und die Westberliner Polizei schaute dabei tatenlos zu.

Leider sollten jedoch die Demonstrationen und die Geschehnisse rundherum noch einen traurigen abscheulichen „Höhepunkt“ erhalten. Als ein Polizeibeamter in Zivil den Studenten Benno Ohnesorg durch einen Schuss in den Kopf tödlich verletzte. Und wie nach dem Mord, ja ich nenne es Mord denn die jetzt bekannt gewordenen Geschehnisse weisen eindeutig darauf hin, Spuren vernichtet wurden, dürfte einmalig in der deutschen Geschichte sein. Ein Stück des Schädelknochens wurde entfernt, um eventuelle Schmauchspuren zu beseitigen. Der Student wurde lebensgefährlich verletzt und soll von 2 Berliner Krankenhäusern abgewiesen worden sein und erst ein drittes nahm ihn auf.

Die Geschehnisse des 2. Juni 1967 haben die Studentenunruhen erst richtig entfacht. Rudi Dutschke war einer der Führer der APO und immer mehr schlossen sich der damaligen Studentenbewegung (SDS)an. Aufgestachelt durch den Vietnam-Krieg, der ersten Großen Koalition in der Bundesrepublik und eben durch den Mord an Benno Ohnesorg gab es 1967 und 68 erhebliche Studentenproteste. Auch gegen die verhasste Springerpresse, sowie die atomare Aufrüstung ging man auf die Straße oder zu Protestveranstaltungen.

Und genau diese Bewegung sollte Deutschland grundlegend verändern. Sprüche wie „Unter den Talaren steckt der Mief von tausenden von Jahren“, oder „Macht kaputt was euch kaputtmacht“ wurden immer wieder skandiert. Oder „Bürger lasst das Gaffen sein, kommt herunter reiht euch ein“.

Wer die Zeit der 50er und 60er Jahre im Nachkriegsdeutschland nicht erlebt hat, kann sich kaum vorstellen unter welch einem Nachkriegsmief wir damals litten. Kinder und Jugendliche hatten den Erwachsenen praktisch bedingungslos zu gehorchen. Widerspruch gab es nicht und in der Schule herrschte Ordnung bis zur Penibilität. Lehrer, Richter, Polizei und Beamte waren teilweise noch aus der Hitlerzeit und hatten demnach ganz andere Vorstellungen als die Jugendlichen. Kurzum es war alles sehr gezwungen und wenn heutige Kinder und Jugendliche ihre Schulzeit oder Berufsausbildung so erleben würden wie sie damals waren, sie würden höchstwahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch bekommen.

In England gab es vor Jahren einen Versuch Kinder nach den Methoden der 50 Jahre zu erziehen. Er musste nach einigen Tagen abgebrochen werden, da die Schüler tatsächlich mit den Nerven völlig fertig waren. Das aber nur als Marginalie.

All das was ich versucht habe darzustellen, und noch vieles mehr, entlud sich im Jahr 1968 wie ein Dampfkessel, dessen Überdruck man zu lange unterdrückt hatte. Und vieles was heute selbstverständlich ist, war erst durch die 68er Revolution möglich geworden. Ob das alles gut ist, wie es sich entwickelte, das soll jeder für sich entscheiden.

Weiterlesen