Es war einmal

So fangen viele Märchen an, oder? Nein es soll jetzt nicht um Märchen gehen, sondern um die Urlaubsplanung früher und heute.

Zugegeben auf dieses Thema kam ich durch einen Artikel in meiner Tageszeitung. Denn wie wir früher unsere Urlaubsfahrten planten, das hatte ich schon fast vergessen. Und mit früher meine ich die späten 70er und die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Junge Menschen können sich nicht vorstellen, dass es eine Zeit vor dem Smartphone oder dem NAVI gab, doch es gab sie und sie war sehr interessant. Ich kann denen die es nicht erlebt haben versichern, die Urlaubsplanung machte richtig Spaß. Ich hatte bereits in unserem Gemeinschaftsblog über einige Abenteuer im damaligen Jugoslawien berichtet.

Wir bereisten die Küste Jugoslawiens praktisch von oben, heißt von der Grenze zu Italien, bis fast unten, das war bis Herceg Novi. Natürlich waren dazu mehrere Jahre und mehrere Urlaube nötig. Natürlich bedurfte es bei der ersten Anreise mit dem Auto einer besonderen Vorbereitung. Die Strecke und die Übernachtungen mussten geplant werden, wobei sich die Übernachtungen eher zufällig ergaben. Da wir unsere Zeitplanung stets großzügig gestalteten, um auch genug Zeit für eventuelle Besichtigungen zu haben. Zu dieser Zeit gab es noch kein so gut ausgebautes Straßennetz wie heute in Serbien und Kroatien, die damals ja noch zu Jugoslawien gehörten. Also wurden Karten von Österreich, Italien und Jugoslawien gekauft, um die Strecke zu erforschen. Die geplante Streckenführung wurde in eine Art Logbuch eingetragen und mit Kommentaren versehen. Meine Frau hatte es dann stets zur Hand, wenn wir wieder einen Punkt erreichten an dem es einen Abzweig gab. Und ob ihr mir das nun glaubt oder nicht, wir haben uns in all den Jahren tatsächlich nicht einmal verfahren. Wobei wir natürlich stets von unserer ersten Fahrt profitierten, die wir sehr sorgfältig vorbereitet hatten. Tipps des ADAC waren dabei auch sehr hilfreich. Tja und den EURO den gab es natürlich auch noch nicht. Das bedeutete, dass wir mit 4 verschiedenen Währungen losgefahren sind. Ich war schon damals kein Freund von Kreditkarten. DM, Schilling, Lire und Dinar waren unsere Begleiter. Aber irgendwie hat es auch Spaß gemacht. Vor allem wenn man sich mit Händen und Füßen verständlich machte. Irgendwie hat es aber immer funktioniert. Wobei ich verblüfft war, wie viele Menschen in Kroatien deutsch sprechen. Das hat es uns natürlich erleichtert.

Und die Verpflegung, am Abend vor der Abreise wurden Stullen vorbereitet und meist Bouletten oder Schnitzel gebraten. Am Tag der Abreise wurde die Kühltasche gepackt. Autobahnraststätten waren uns ein Gräuel. Wenn wir irgendwo etwas essen wollten, dann fuhren wir lieber von der Autobahn runter in ein Dorf. Ach und ich habe total vergessen, damals gab es ja noch die DDR. Das hieß für uns Westberliner, auf dem Weg nach Süden waren erst einmal ca. 300 km im Tempo 100 zu fahren und Grenzkontrollen zu erledigen. Übrigens natürlich auch an den anderen Grenzen wurde kontrolliert, wenn auch sehr locker. Das Schengener Abkommen gab es ja noch nicht. Österreich gehörte noch nicht zur EU und an der jugoslawischen Grenze wurde nochmals kontrolliert. Aber die waren meist sehr locker drauf. Eigentlich waren die Österreicher die humorlosesten.

Später, als wir die Küste Jugoslawiens fast komplett bereist hatten, war uns nächstes Urlaubsziel Spanien. Also wurde wieder geplant und wieder fuhren wir mit mehreren Währungen durch die Gegend. Allerdings konnten wir von Berlin bis zu unseren Urlaubszielen in Spanien komplett auf der Autobahn fahren. Wobei ich die Autobahnen Frankreichs und Spaniens in sehr guter Erinnerung habe. Die waren in einem Topzustand. Allerdings die Stadtautobahn von Lyon habe ich in einer sehr vollen Erinnerung. Wer damals meinte, in Berlin sei viel Verkehr, der sollte die mal befahren. Wobei ich hörte, heute führt die Autobahn an Lyon vorbei und nicht mehr durch Lyon. Und alles wurde ohne NAVI und ohne Handys erledigt. Urlaub war noch Urlaub und niemand erwartete, dass man sich laufend per Telefon meldete. Was manchmal ohnehin nicht ganz einfach war. Man war nicht erreichbar eine herrliche Zeit. Allerdings Postkarten schreiben, nein das war nicht meine Leidenschaft. Aber geschrieben hat man sie trotzdem. Man wollte denen zu Hause ja eine Freude machen. Könnt ihr euch vorstellen, man liegt am Strand und niemand, aber auch wirklich niemand spielt mit einem Smartphone oder telefoniert, dass einem fast die Ohren abfallen? Unvorstellbar heute, oder? Oder schnell mal ein Foto nach Hause schicken, das gab es nicht und ich finde, es war gut so.

Jedoch irgendwann hielt auch bei uns die neue Technik Einzug. Vor einer Reise nach Italien schafften wir uns ein NAVI an. Zugegeben ob wir all die Sehenswürdigkeiten ohne NAVI so schnell gefunden hätten, ich würde es bezweifeln. Unser Italienurlaub war Kultur pur. Das wird jeder verstehen der schon einmal in Florenz oder Pisa war. Wir wohnten 2 km von Vinci entfernt und das Museum dort war schon mal ein Highlight. Von Florenz, Lucca und Pisa mag ich gar nicht anfangen zu schwärmen. So viel Zeit habt ihr nicht.

Allerdings sei zum Schluss eines bemerkt, ob mit oder ohne NAVI, man sollte eine Urlaubsfahrt gut planen, und vor allem genug Zeit einplanen. Lieber einen Tag mehr für die Anreise einplanen als alles knapp bemessen. Hätten wir z. B. unsere Anreise nach Italien nicht großzügig geplant, so hätten wir nicht völlig entspannt, einen nicht geplanten Zwischenstopp und Übernachtung in Verona machen können. Und das wäre sehr schade gewesen. Denn auch Veronas Altstadt ist wunderschön.

Nun habe ich eigentlich mehr geschrieben als vorgesehen und hoffentlich seid ihr mittlerweile nicht eingeschlafen.

Jedoch obwohl ich das Navi schätze, interessant war es vor der Navi-Zeit schon. Irgendwie fand ich die Vorbereitung einer Reiseroute spannender. Klar könnte ich auch heute noch auf das Navi verzichten. Meist machen wir das sogar. Doch oftmals ist es schon ganz hilfreich.