Wechselstimmung? Fehlanzeige!

Knapp 3 Monate vor der Bundestagswahl deutet nichts auf eine Wechselstimmung in Deutschland hin. Liegt das nun an der „herausragenden Leistung“ der Bundeskanzlerin oder an der weltpolitischen Lage, die für einen Regierungswechsel nicht geeignet scheint? Oder an der Frage wer soll, wenn nicht die CDU/CSU in diesem Land dann überhaupt und mit wem regieren?

Die Fragen sind wohl nur schwer zu beantworten. Offensichtlich gelingt es der SPD trotz eines Sonderparteitages und einer sehr seltenen Einigkeit nicht, ein überzeugendes Konzept gegen die Bundeskanzlerin aufzubauen, oder es wird vom Wahlvolk einfach nicht honoriert. Lässt man die fast vergangene Legislaturperiode Revue passieren, so hat die SPD bestimmt großen Anteil daran, dass in dieser Zeit wenigstens einiges vollbracht wurde. Nicht die CDU/CSU Minister/innen dominierten die Regierung, es waren eher Minister/innen der SPD. Doch es scheint nicht angekommen zu sein. Woran liegt das?

Eine Bundeskanzlerin, die die Wähler belogen hat, die von dem bayerischen Ministerpräsidenten auf einem CSU-Parteitag auf der Bühne neben dem Rednerpult stehend vorgeführt wurde wie ein dummes, kleines Schulmädchen, für manch anderen Politiker wäre das schon fast ein Ende der Karriere gewesen. Ihr kann das alles nichts anhaben.

Und nun, kurz vor der Bundestagswahl wird sie von den Ereignissen förmlich hochgetragen und weiß, das muss man fairerweise zugeben, dies für sich zu nutzen. Sie wird in die Rolle der Gegenspielerin des amerikanischen Präsidentendarstellers gedrängt und scheint dies, auch wenn sie es nie öffentlich zugeben würde, zu genießen.

Nein eine Wechselstimmung kann ich weit und breit nicht erkennen. Und was mich regelrecht schockiert, selbst eingefleischte Gegner der Kanzlerin und bekennende CDU-Nichtwähler sagen in den letzten Wochen sehr oft, es geht uns doch gut, was sollte der Wähler für ein Interesse haben, das zu ändern? Na ja das ist für meine Begriffe etwas sehr kurz gesprungen. Denn es geht eben vielen auch schlecht in diesem Land. Billigjobs, Langzeitarbeitslose, Hartz IV-Empfänger und, und, und.

Jedoch glaube ich nicht, dass die SPD mit dem Thema soziale Gerechtigkeit sonderlich punkten kann. Denn die Agenda 2010 haftet an ihr und ihrem ehemaligen Kanzler Schröder. Und ich fand es keine gute Idee, den Altkanzler auf dem Parteitag sprechen zu lassen. Denn er alleine dürfte für viele schon Grund genug sein, die SPD nicht zu wählen.

Der Kanzlerkandidat der SPD redete sich auf dem Parteitag so in Wallung, dass er sich förmlich heißredete und er seine Anzugjacke ausziehen musste. Aber mit dem Frontalangriff auf die Kanzlerin hat er, so glaube ich, weder sich noch seiner Partei einen Gefallen getan. Wenn ich hier in meinem Blog schreibe unter der Kanzlerin Merkel herrschen in Deutschland postdemokratische Zustände ist das eine Meinung, die fast ungehört verhallt. Und wenn sie auch vom Bundesverfassungsgericht des Öfteren ermahnt wurde nicht am Bundestag vorbei zu regieren, glaube ich, es war keine gute Idee von M. Schulz ihr einen Angriff auf die Demokratie vorzuwerfen. Auch wenn er damit zumindest nicht unrecht hat, glaube ich, es wird von vielen überhaupt nicht verstanden werden.

Die SPD möchte jetzt die Aufholjagd starten und der Wahltag wird zeigen, wie erfolgreich sie damit war. Zumindest scheint es nach der Rede auf dem SPD-Parteitag ein interessanter Wahlkampf zu werden.

7 Kommentare zu “Wechselstimmung? Fehlanzeige!

  1. bandora78 sagt:

    Ich denke, es liegt tatsächlich an der Weltlage. Die Menschen wollen, was sie bereits kennen…

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  2. nana sagt:

    Tja, die „Alternative“ hat sich, Gottseisgelobtgetrommeltundgepfiffen (so sagte mein Vater immer), glücklicherweise selbst erledigt und sich als Sammelbecken von Rechtsradikalen, Verschwörungstheoretikern und Flachpfeifen erwiesen.

    Diejenigen, die sich wohl eine rechtskonservative Bewegung erhofften, kehren jetzt reumütig in „Muttis“ (ich persönlich finde diese Bezeichnung für Frau Kanzlerin ja dämlich) Schoß zurück.

    SPD ist unwählbar, weil opportunistisch und jenseits aller wirklich sozialdemokratischen Werte. Grüne sind spießiger und mehr Mitte als die FDP. Apropos: Weshalb die Gelben wieder solchen Aufwind haben, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich freue mich auf eine schwarzgelbe Legislaturperiode des Stillstands und Rückschritts.

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  3. rabohle sagt:

    Viele Wähler haben wohl ein Kurzzeitgedächnis

    „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben“
    „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“

    und wollen aus Bequemlichkeit auch nichts Neues.

    Wenn dann noch die GroKo herauskommt, fragt der Wähler sich teilweise aber auch wirklich zurecht, welche Möglichkeiten er hat. Die Antwort ist einfach:

    „Wer nicht wählt, darf vier Jahre auch nicht meckern.“

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