Der Geiselnehmer von Ankara

Deniz Yücel sitzt seit nunmehr 200 Tagen in einem türkischen Gefängnis und mittlerweile sind 11 weitere Deutsche unter den fadenscheinigsten Gründen in türkische Kerker geworfen worden.

Am heutigen Freitag wurde der Fall von den jüngsten Festnahmen bekannt und die Kanzlerin verurteilt die Verhaftungen und überlegt, ob man die Politik der Bundesregierung gegenüber der Türkei nicht verändern muss. Dass die Kanzlerin lange überlegt, manche nenne es auch aussitzen ist bekannt. Jedoch geht es hier um Menschen, die nicht zuletzt Opfer ihrer Politik gegenüber der Türkei geworden sind.

Durch einen fragwürdigen Pakt mit dem türkischen Diktator ist die Bundeskanzlerin erpressbar geworden. Lange, ja viel zu lange, versuchte sie das Problem auszusitzen, statt dem Diktator klar zu machen, dass er zwar in der Türkei das sagen haben mag, jedoch außerhalb der türkischen Grenzen nicht. Keine klare Linie auf die seit 1 ½ Jahren anhaltenden Provokationen aus Ankara war zu erkennen und nun steht man vor dem Scherbenhaufen einer verfehlten Türkeipolitik.

Wir müssen auch immer Rücksicht auf die über 3 Millionen Türken in Deutschland nehmen, heißt es aus Kreisen der Bundesregierung. Aber wir müssen auch unsere Bürgerinnen und Bürger vor der Willkür eines durchgeknallten Diktators schützen. Sprecht endlich eine Reisewarnung für die Türkei aus. Das wäre schon mal ein erster Schritt.

Und ihr werdet es merken, ich bin furchtbar sauer. Dialog in der Politik ist wichtig aber wenn ein „Partner“ meint, er bestimmt den Dialog so muss man ihm klar machen, dass das nicht funktionieren kann.

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5 Kommentare zu “Der Geiselnehmer von Ankara

  1. WernerBln sagt:

    Da stimme ich Ihnen und insbesondere dem vorletzten Absatz voll zu. Die Reisewarnung würde mindestens denen nutzen, die schon vor einiger Zeit gebucht haben (Rücktritt). Allerdings frage ich mich auch, wieso es immer noch Zeitgenossen gibt, die jetzt noch meinen, unbeschwert in der Türkei Urlaub machen zu müssen. Selbst ohne die längst überfällige Reisewarnung sollte man doch so viel Verstand aufbringen, jetzt keine Reisen in dieses Land mehr zu buchen.

    Rechtlich ist die Sache im Hinblick auf den Fall Yücel allerding kompliziert. Er besitzt die türkische und die deutsche Staatsangehörigkeit. Dabei ist es nun mal international üblich, dass beim Aufenthalt in einem der „Heimatländer“ die jeweils „fremde“ Staatsangehörigkeit nicht wirksam wird. Dies bewirkt u.a., dass hier kein Rechtsanspruch auf konsularische Vertretung durch die Bundesrepublik besteht. Auch einer der Gründe, weshalb aus meiner Sicht mehrfache Staatsangehörigkeiten sehr problematisch sind.

    Das macht das Verhalten der Türkei natürlich keinesfalls besser, zumal es nach den wenigen bekannten Details inzwischen anscheinend reicht, selbst bei einzig deutscher Staatsangehörigkeit irgendwie einen türkischen Hintergrund zu haben, um vom „Kalifen“ vereinnahmt zu werden.

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    • sigurd6 sagt:

      Das kann ich auch nicht verstehen, wie man in der Türkei in der jetzigen Situation Urlaub machen kann. Aber gut das muss letztendlich jeder für sich entscheiden.

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  2. andheu sagt:

    Mit jemanden wie Erdogan kann man nicht verhandeln. Es gibt eigentlich nur eine Konsequenz aus den Vorkommnissen der letzten Zeit. Zum einen eine offizielle Reisewarnung da es für keinen Deutschen in der Türkei sicher ist. Wer jetzt noch Urlaub in der Türkei macht sollte sich das bewusst machen. Zum anderen den Abbruch der Beitrittsverhandlungen zur EU. Zudem eine Anpassung der Sicherheitsbewertung was die NATO angeht. Auf einen Partner wie die Türkei sollte man sich im Ernstfall nicht verlassen.
    Zudem sollte man überlegen ob man wirtschaftliche Sanktionen der EU gegenüber der Türkei beschließt.

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