Moment mal: Wut

Es gibt Themen, über die man eigentlich nicht schreiben möchte. Nicht weil sie einen nicht interessieren, sondern weil die Hilflosigkeit wie man ihnen gegenüber steht, einen richtig mutlos macht.

Wir hatten gerade das Thema Peace und die Hoffnung der 60er und 70er Jahre, dass Kriege hoffentlich der Vergangenheit angehören. In Syrien wird uns nun wieder deutlich gemacht, wie hilflos Menschen den Mächtigen dieser Welt ausgeliefert sind. Tagtäglich hören wir Berichte, die einem vor Augen führen, wie wenig ein Menschenleben wert ist. Zivilisten werden als Schutzschilde missbraucht und egal von welcher Seite einfach abgeknallt. Man blickt eh schon lange nicht mehr durch, wer hier mit wem gegen wen und warum kämpft.

Sicher ist nur, leidtragende sind die, die einfach nur leben, ja jetzt nur noch überleben möchten. Zermalmt zwischen denen die glauben für ihre Sache über Leichen gehen zu müssen. Sie, die Zivilisten zahlen einen hohen Preis für die Egoismen einer elitären Machtbande. Denen es völlig egal ist, welches leid sie über diese Menschen bringen. Laut Genfer Konfession sind Krankenhäuser im Kriegsfall besondere Schutzobjekte, doch wenn stört das?

Und bei der UN in New York wird um Nuancen tagelang gestritten und gequasselt. Dabei wäre es so einfach, lasst einfach die Waffen für einen Monat ruhen um den Menschen wenigstens die Hilfe zukommen zu lassen die sie dringend benötigen. Die, die dort am Verhandlungstisch der UN sitzen legen sich am Abend in ihr gemütliches Bett. Und die, denen man in Syrien alles unter dem Hintern wegknallt? Sie müssen das ausbaden, was ihnen diese Typen einbrocken.

Und so geht es nicht nur in Syrien. Im Jemen gibt es eine humane Katastrophe und in Bangladesch kommen täglich Flüchtlinge an nur weil sie in Myanmar der Minderheit der Rohingya angehören und verfolgt werden.

Ich weiß, es interessiert nur wenige aber mich macht das wütend. Wütend wie Menschen so verbohrt sein können. Wütend wie unschuldige Zivilisten zum Spielball machtgeiler Politiker werden und wütend wie man glaubt wegen eines verbohrten Glaubens andersgläubige bekämpfen zu müssen.

Durch diesen kleinen Text wird sich nichts ändern, aber ich musste das mal loswerden. Und Syrien, Jemen und Myanmar sind ja nur einige Beispiele für den Wahnsinn der sich in vielen Teilen unserer Welt abspielt.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

18 Kommentare zu “Moment mal: Wut

  1. rabohle sagt:

    Der -übrigens sehr gute- Text wird sicherlich wenig ändern, solange nicht auch Taten folgen.

    Die die kann nahezu nur in der finanziellen Unterstützung der Hilfsorganisationen oder aber dem realen Hilfeleisten gegenüber Flüchtlingen bestehen. Liest sich einfach, ist aber sehr schwer.

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  2. Helen sagt:

    Es mußte mal raus. Wenn ich all die Berichte, Kommentare usw, über die Kriege und Spannungen in der Welt erfahre, dann möchte ich am liebsten 3 x über Kreuz und Grätschen dazu über Kopf springen.

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  3. WernerBln sagt:

    Aus meiner Sicht ist das eine vielschichtige Gemengelage. Ihr vorletzter Absatz gibt das ja auch wider.
    Auch mir ist es völlig unverständlich, wie man aus irgendwelchen religiösen oder auch ideologischen Wahnvorstellungen derartig verbohrt sein kann. Es ist auch richtig, dass Unschuldige zum Spielball irgendwelcher Machtinteressen werden. Berechtigt ist m.E. allerdings auch die Frage, wie viele der „Opfer“ eben nicht so unschuldig sind, weil sie genau aus den verbohrten Wahnvorstellungen heraus in Wirklichkeit Beteiligte sind (Kinder selbstverständlich ausgenommen).

    Was uns von den Medien in Bild und Ton vorgeführt wird, ist wohl sehr mit Vorsicht zu genießen, insbesondere die Handyvideos aus der Hauptkampflinie, bei denen es sich im Zweifelsfall um Propaganda einer der diversen (z.B. Syrien) Kriegsparteien handelt.

    Übrigens Syrien / Türkei, brandaktuell:

    https://www.focus.de/politik/deutschland/vor-yuecel-freilassung-ruestungsexporte-in-die-tuerkei-koennten-auf-deal-hinweisen_id_8516646.html

    (Google mit den Begriffen „waffen türkei dezember 2017“ bringt übrigens noch viel mehr Ergebnisse)

    Klartext, GröKaZ will unbedingt in die nächste Amtszeit und dafür ist jedes Mittel recht. Selbst der Erpressung durch Erdowahn wird da hemmungslos nachgegeben, wenn man dadurch innenpolitisch einen Erfolg ausschlachten kann (Yüksel) und außenpolitisch die Türkei die Grenzen für die Flüchtlingsinvasion dicht hält.

    Wieso fällt mir jetzt wieder Max Liebermann mit dem bekannten Zitat „Fressen / K…..) ein?

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    • sigurd6 sagt:

      Nun, dass es einen Deal gab, war uns allen doch wohl klar. Nur deshalb „hält“ der Diktator sich ein paar Geiseln.

      Wenn z. B. in der Tagesschau Handyvideos gezeigt werden wird jedes Mal darauf hingewiesen, dass deren Echtheit nicht zu überprüfen ist. Dann könnte man darauf natürlich auch verzichten.

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  4. christahartwig sagt:

    Am Zustand der Köpfe religiöser Fanatiker wird man nichts ändern können. Indessen müsste es viel mehr Protestkundgebungen größten Stils gegen deutsche Waffenexporte geben. Es ist unerträglich, dass schon wieder der Verdacht im Raum steht, die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten sei mit Waffenlieferungen in die Türkei erkauft worden.

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    • sigurd6 sagt:

      Es scheint fast so, als hätten sich die meisten damit abgefunden, leider.

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      • christahartwig sagt:

        Aber was hat die Studenten 1968 auf die Straße gebracht´, und was tut es heute nicht mehr? Vietnam hat sie damals auch nicht persönlich betroffen, eher noch weniger als Syrien sie heute betrifft. Ist es eine Generationsfrage. Die Schuld der Väter hat noch mobilisiert, die Schuld der Urgroßväter tut es nicht mehr? – Ja, wahrscheinlich ist es das. Den Söhnen und Enkeln der 68er fehlt der Generationenkonflikt, um in die Gänge zu kommen.

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        • sigurd6 sagt:

          Das kann ich nicht beurteilen, wieso heute nicht mehr gegen diesen Wahnsinn demonstriert wird. Gründe gibt es bestimmt, jedoch müsste man die genau analysieren um sich ein Bild machen zu können.

          Ich habe dazu zwar einige Vermutungen, aber das es eben Vermutungen sind, werde ich diese nicht öffentlich machen.

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        • nana sagt:

          Also ich sag mal so: Solche Proteste werden ja sogleich kriminalisiert. Das hat man doch beim G20-Gipfel gesehen. Die Demonstrationen dort richteten sich ja gerade gegen die Großmächte und deren Politikstil.

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          • christahartwig sagt:

            Was meinst Du jetzt genau mit „kriminalisiert“? Dass kriminelle Elemente sie zum Anlass nehmen, ihrer Gewaltbereitschaft die Zügel schießen zu lassen, oder dass die Proteste als solche vornehmlich im Licht der gewalttätigen Ausschreitungen gesehen werden? – Ich fürchte, beides trifft zu, war damals aber auch nicht anders. In den 70er Jahren gab es viele große Demonstrationen auf dem Kurfürstendamm. Ich hatte damals mein Büro im Europa-Center und somit einen Super-Überblick. Endlose Reihen von Demonstranten, neben denen auf beiden Seiten ebenso endlose Reihen von Polizisten mit Schutzschilden her marschierten. Es muss richtig viel Geld gekostet haben, aber die Demonstrationen fanden statt – und das nicht einmalig oder selten, sondern mit einer Regelmäßigkeit, die meinen pünktlichen Feierabend oft genug vereitelte. Und die Demos haben einiges bewirkt – wenn nicht auf internationaler Ebene, so doch im Denken der Menschen hier.
            Ich will damit sagen, der Protest müsste wieder (ohne Gewaltausschreitungen!) auf die normalen Straßen getragen werden. Gipfelteilnehmer lassen sich dadurch ohnehin nicht von ihren Plänen abbringen. Die reagieren erst, wenn ihre Wiederwahl in Frage gestellt ist. Was ich nicht weiß, ist, wie schwierig es heute ist, die Genehmigung für eine Demonstration zu erhalten, denn sie muss ja angemeldet sein, um nicht von vorn herein als kriminell zu gelten.

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            • sigurd6 sagt:

              Die Studentenbewegung der 68er hatte in Rudi Dutschke eine charismatische Führungskraft. Solch eine fehlt heute. Auch das kann ein Grund sein. Auch waren diese Demos nicht durch schwarze Blöcke in Misskredit geraden.

              Allerdings sollte man sich davor hüten die 68er allzu sehr zu glorifizieren.

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            • christahartwig sagt:

              Nein, ich will sie keinesfalls glorifizieren, und in einer charismatischen Führungspersönlichkeit liegt immer auch eine Gefahr. Auch damals lief es ja beileibe nicht immer gewaltfrei ab. Und es hing ja noch mehr dran. Die RAF und die „klammheimliche Freude“. Da war nicht alles gut und schön. Dennoch war eine Substanz da. Heute haben wir ein Vakuum – sowohl in der Jugendbewegung, wo es durch gewaltbereite Autonome gefüllt wird, und ein Vakuum in der Parteienpolitik, wo Rechtspopulisten sich breit machen.

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            • sigurd6 sagt:

              Die RAF würde ich nicht als eine Fortführung der APO einstufen. Andreas Baader war für mich anfangs eher ein Krimineller.

              Eher sind die GRÜNEN aus der APO hervorgegangen. Übrigens auch mit Unterstützung eines damals durch das Attentat stark geschwächten Rudi Dutschke. Ich glaube da, wohnte er schon in Dänemark.

              Aber über diese Zeit könnte man sich nächtelang unterhalten. Sie war einfach sehr vielschichtig und wurde immer so ausgeschlachtet, wie man es gerade brauchte.

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            • christahartwig sagt:

              Ja, da hast Du allerdings recht.

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  5. WernerBln sagt:

    Ich wollte ja zu dem unseligen Kommentar @nana ja eigentlich gar nicht Stellung nehmen, weil ich es für sinnlos halte, mit Leuten zu diskutieren, die meinen, dass schwerste Straftaten, übelste Gewaltanwendung, wie bei G20, so richtig gar nicht stattgefunden haben und das Ganze nur vorsätzliche Diskriminierung (Kriminalisierung) eigentlich friedlicher Demonstrationsteilnehmer war.

    Aber angesichts des sich ergebenden Threads darf ich mal darauf hinweisen, dass das Abbrennen und Plündern ganzer Straßenzüge, das Werfen von Brandsätzen, Gehwegplatten von Dächern etc. mit Sicherheit nicht zu der grundgesetzlichen Demonstrationsfreiheit gehört (Artikel 8 GG: friedlich ohne Waffen)! Und sorry, auch meine Wut muss mal raus
    😦

    @sigurd
    Die RAF war nicht die alleinige Nachfolgerin der APO aber die radikale Abspaltung. Nach meinem Kenntnisstand ist das Konsens aller Historiker. Und Herr Baader war , jedenfalls nach meiner Erinnerung, gänzlich unbekannt, bevor er als Terrorist in Erscheinung getreten ist. Ist aber auch richtig, dass die Grünen da kräftig „geerbt“ haben. Die sind allerdings inzwischen derart im korrupten „Establishment“ angekommen, dass man ihnen bescheinigen kann, dass selbiges Erbe der harmlose und friedliche Teil ist. Deshalb mag ich sie ja auch ebenso wenig, wie den SED-Nachfolger
    😉

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    • sigurd6 sagt:

      Andreas Baader war nur durch den Kaufhausbrand in Frankfurt aufgefallen und deshalb auch meine Einschätzung des Kriminellen. Politisch motiviert trat er eigentlich nie in Erscheinung. Anders als z. B. Ulrike Meinhof. Doch sie war, entgegen der langläufigen Meinung, selbst in der

      RAF nicht richtig anerkannt, ja teilweise sogar isoliert.
      Aber eigentlich ging es um ein ganz anderes Thema in diesem Thread. Über die RAF möchte ich hier gar nicht diskutieren.

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