Es war einmal …

… so fangen viele Märchen an.

Nicht ganz, denn die wahre Geschichte die ich heute erzähle, ist kein Märchen, hätte aber leicht eines werden können.

Ich hatte ja schon des Öfteren darüber geschrieben, dass ich früher in einer Band spielte. So viel vorweg. Wir übten meist im Keller des Hauses der Eltern unseres Schlagzeugers. Und er hatte einen größeren Bruder, der damals so etwas wie unser Manager war. Sehr locker allerdings, denn was gab es bei uns schon groß zu managen.

Eines Abends trat er zu uns in den Keller und sagte, „Jungs hört mal her, wie ihr wisst spielen die Beatles ja in einigen Monaten in München“. Er meinte das Konzert der Beatles 1966 im Münchner Zirkus-Krone Bau. Da bekamen wir schon leuchtente Augen, glaubten wir doch, es ist ihm irgendwie gelungen, einige Karten zu ergattern. Doch dem war nicht so, denn was er uns dann verkündete, war wie eine eiskalte, ja noch viel kältere Dusche. Nun werdet ihr euch fragen, was kann das denn noch gewesen sein? Nun es traf uns wie ein Vorschlaghammer.

Denn er sagte weiter, „ich habe an den Veranstalter der Konzerttournee einen Brief geschrieben. Darin fragte ich ihn, ob man bei solch einem Konzert nicht auch kleinen, bislang unbekannten Bands, als Vorband, eine Chance geben sollte“. Ich glaubte, erst ich muss mich verhört haben und meinen Bandkollegen ging es ebenso. Er hatte dem Konzertveranstalter einen Brief geschrieben und ihm darin uns ganz ernsthaft als eine der Vorbands vorgeschlagen. Ich musste erst einmal Luft holen. Als wir dann nach gefühlten Stunden die Fassung einigermaßen wieder gefunden hatten, fragten wir ihn, ob er denn verrückt geworden sei? Die Beatles und als Vorband die Rattles und dann wir? Die jagen uns, wenn sie freundlich sind, aus dem Zirkus-Krone Bau. Noch nie wünschte ich mir in meinem bis zu dieser Zeit ja noch relativ kurzem Leben, dass der Konzertveranstalter dankend ablehnen würde.

Und so vergingen bange Tage und Wochen, und ehrlich, wir hofften es wird nicht soweit kommen, denn wir hatten Spaß am Musik machen. Kannten unsere Grenzen aber auch. Und das wäre drei bis vier Nummern zu groß gewesen. Da gab es schon in unserer Stadt einige Bands, die gleichwertig oder sogar viel besser waren.

Unser heimliches Flehen hatte jedenfalls Erfolg. Der Konzertveranstalter sagte uns nicht ab, nein er meldete sich erst gar nicht. Uns fiel eine ganze Felswand vom Herzen ab. Unserem „Manager“ sagten wir, er solle das nie wieder mit uns machen.

So wurde diese wahre Geschichte zum Glück nie ein Märchen. Natürlich wäre es märchenhaft gewesen dort zu spielen. Nur ist zu befürchten, dass dieses Märchen dann nicht gut ausgegangen wäre, jedenfalls für uns.