Osten, Osten, Osten!

Was soll das eigentlich? Fast 30 Jahre nachdem die Mauer geöffnet wurde, sollte endlich diese unsägliche Ostdebatte aufhören.

Doch in den letzten Tagen kochte sie nun wieder hoch. Nachdem die CDU ihre Ministerriege vorgestellt hatte, tönte es aus vielen Medien, da ist ja keine Ministerin oder kein Minister aus dem Osten darunter. Und schon wurde auf die Kanzlerin verwiesen und damit hat man dann wohl unterschwellig, wenn auch ungewollt, klargestellt, sie ist genug Osten. Aus der CSU konnte man nun wirklich niemanden aus dem Osten erwarten. Blieb also noch die SPD. Und sie hat nun eine hoffnungsvolle Politikerin ins Kabinett gerufen. Die geschätzte Bürgermeisterin aus Berlin-Neukölln Franziska Giffey. Sie erfüllt alles, was die Medien sich erwarten. Sie ist jung, sie ist in Frankfurt/Oder geboren und sie ist erfolgreich in einem schwierigen Berliner Bezirk tätig.

Ich frage mich, ob es nicht an der Zeit wäre, diese unsägliche Ost/West-Debatte endlich zu beenden. Mag man mich für naiv halten, für mich spielt die Qualifikation eine größere Rolle, als die Herkunft. Darüber wird jedoch selten geschrieben oder gesprochen. Das sagt auch schon sehr viel, finde ich.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

15 Kommentare zu “Osten, Osten, Osten!

  1. christahartwig sagt:

    Mal voranstellend, dass ich Franziska Giffey für durchaus befähigt halte, ist es wahrscheinlich des Wort ‚Osten‘, das wir so langsam nicht mehr hören wollen – und das, obwohl es gerade an Salonfähigkeit gewinnt. Ich merkte kürzlich auf, als in einem Radiokommentar (wohl im Zusammenhang mit Sport) immer wieder der Begriff Ostdeutschland fiel. Er war lange zu Gunsten der ’neuen Bundesländer‘ gemieden worden, während Westdeutschland, Süddeutschland, Norddeutschland seit je gängige Bezeichnungen waren. Aber zu lange hatten wir im Westen, wenn wir von denen im Osten sprachen, damit die Bürger der DDR gemeint.

    Tatsächlich ist wünschenswert, dass nicht alle Ministerien von Politikern aus ein und demselben Raum besetzt werden. Deutschland (auch der sog. Westen) ist ja keine Nation mit langer Tradition als EIN LAND, sondern eine Republik aus ursprünglich verschiedenen (und dabei meine ich auch unterschiedlich geprägten) Nationen. Die Menschen unterschiedlicher Prägung müssen sich in einer Regierung wiederfinden – die von der Waterkant wie die aus dem Voralpenland, die aus den Mittelgebirgen, wie die aus dem Ruhrgebiet, …

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  2. ballblog sagt:

    Diese Forderung kommt im Grunde ja viel zu spät. – „Der Osten“ wird halt in erster Linie als politische Definiton verstanden, nicht als bloße Himmelsrichtung. Ich erlebe das im fast täglichen Umgang immer wieder. Es geht ja nicht darum, Leuten ihre Biographie abzusprechen, aber ist die seit fast 30 Jahren nun einmal eine gesamtdeutsche.Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, daß eine Ost-, Nord- oder weclhe Quote auch immer einem Einheitsdenken widerspricht.

    In der Realität erlebe ich aber z. Bsp. eine Kollegin Jahrgang 92 von einer großen Berliner Tageszeitung (da gab es auch einen Kommentar zum „Osten abschaffen“) – und diese Kollegin ist seit ein paar Jahren auf dem Trip, alles was nicht ihrer Meinung entspricht mit „Siegermentalität“ und Typisch Wessis etc. abzutun.
    Und letztlich ist es medial so, daß Sendungen wie „Unter uns“ immer wieder suggerieren, daß die Ehemalige immer weiter fortbesteht… Meine Frau hat zum Beispiel in Magdeburg auch deshalb aufgehört zu arbeiten, weil sie das „Scheiß-Wessi“- Gerede nach fast zehn Jahren schlichtweg satt hatte.

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  3. Berta sagt:

    Ich will mich hier eigentlich nicht aus dem Fenster lehnen, zumal ich mittlerweile seit bald 15 Jahren nicht mehr in Deutschland lebe.
    Aus der Ferne will ich nur zwei Gedanken in Buchstaben darstellen:
    – Was ist nach fast dreißig Jahren mit der Lohnangleichung? Warum ist der Lohn noch immer nicht 1:1, wenn es sich doch mittlerweile seit einer gefühlten Ewigkkeit um ein und das selbe Deutschland handelt?
    – Wie wir wissen, sind Politik und Wirtschaft fast bis zur Unzertrennbarkeit miteinander verwoben. Und wie wir auch wissen, wohnt nun mal der größte Teil der Wirtschaft, und damit des Geldes, im westlichen Teil Deutschlands. Da verwundert es eigentlich nicht, dass ministertechnisch nicht viel aus dem Osten kommt.
    Ich denke, man kann nicht allzu viel über das Denken in den Ostköpfen sagen, wenn man nicht selbst einen solchen auf dem Hals sitzen hat.
    Ich wäre aber auch dafür, diese unsichtbare Trennlinie und alles , was mit ihr zu tun hat, endlich komplett auszuradieren.

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  4. WernerBln sagt:

    Bei der Besetzung nicht nur der Ministerämter sollen ja nun schon Partei-, Geschlechter- und Länderquote und Seilschaften berücksichtigt werden. Da wollen Sie doch wohl nicht das Auswahlverfahren auch noch mit solchen Nebensächlichkeiten, wie Qualifikation überfrachten?
    😉

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  5. gis1855blog sagt:

    Quotenregelungen sind Diskriminierung pur. Am meisten davon betroffen sind die Personen, die qua Quorum auf ihren Posten gekommen sind.
    Jeder hinterfragt deren Qualifizierung, und zumeist zu recht.
    Wenn Frauen oder Männer stärker vertreten sein wollen, dann empfehle ich einfach mehr persönliches Engagement. Sowohl in Fach- und Allgemeinwissen, als auch in politische, sonstige, Arbeit.
    Und bei Besetzungen muss sich jede/r Bewerberin/er öffentlich transparenter Bewertung stellen.
    Aber Auswertungen aufgrund Leistungsüberprüfung ist bei unseren „linksliberalen Molaristen und Gleichmacher“ on voque, leider!

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  6. gis1855blog sagt:

    nicht on voque, meinte ich natürlich

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