Moment mal: Im Zweifel …

… gegen den Angeklagten?

Nein natürlich nicht, das wäre ja schlimm. Dann könnte man ja gleich wie zu Zeiten der Hexenverbrennungen verfahren. Man fesselte die mutmaßliche Hexe und werfe sie ins Wasser. Geht sie unter, ist sie unschuldig und kann sie sich irgendwie über Wasser halten eine Hexe und wird verbrannt. Egal gestorben wird so oder so.

Aber davon sind wir in unserer humanen Welt selbstverständlich weit entfernt. Heute muss den Beschuldigten ihre Tat nachgewiesen werden. Jedenfalls vor Gericht. Nun sind aber Justiz und Politik unabhängig voneinander. Also müssen Politiker sich wohl nach diesen Regeln nicht halten. Und man kann schon mal ein Land oder einen Staatsmann vorverurteilen, obwohl die Beweise seiner Schuld nicht oder nicht zweifelsfrei erwiesen sind.

Und so hat man Russland und dessen Präsidenten schon mal ganz klar als die Beschuldigten, die für den Giftanschlag in Salisbury verantwortlich sind, in den westlichen Ländern ausfindig gemacht. Obwohl ja eigentlich, jedenfalls nach deutscher Gesetzgebung ein Angeklagter als unschuldig zu betrachten ist, so lange seine Schuld nicht eindeutig bewiesen ist.

Schon deshalb ist das Verhalten der Bundesregierung, ganz unabhängig davon ob die Schuld Russlands letztendlich bewiesen werden kann, sehr befremdlich und kommt einer Vorverurteilung gleich, obwohl belastbare Beweise noch immer fehlen.

Aber es passt halt gerade so schön ins politische Klima. Der Westen sind die Guten und im Osten wohnen die Schlechten. So einfach kann Politik sein.

4 Kommentare zu “Moment mal: Im Zweifel …

  1. nana sagt:

    Es ist doch schön, wenn man ein klares Feindbild und ein einfaches Weltbild hat. Da lebt es sich sicher leichter. Und man läuft auch nicht Gefahr, denken zu müssen. Denn Pech beim Denken haben gerade Politiker ja leider öfter.

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  2. WernerBln sagt:

    Ich halte das Russland-Bashing der Nato für katastrophal. Ich bin auch der Überzeugung, dass Auslöser für die Konfrontation die gegen alle Absprachen verstoßende Expansion der Nato gen Osten war. Ich bin sogar auch der Meinung, dass es für Deutschland heute wesentlich sinnvoller wäre, sich nach Osten, statt über den Atlantik zu orientieren. Leider fehlt dazu jede auch nur ansatzweise erkennbare Persönlichkeit in der Politik.
    Was den aktuellen Streit hinsichtlich der Ausschaltung / Eliminierung -oder auch nicht- von irgendwelchen (Doppel) Agenten betrifft: Wenn man sich an die Zeiten des „Kalten Krieges“ erinnert, war das beiderseitig gängige Praxis (Westberlin war da auch ein beliebter Ort). Damals hat man für solche „Selbstverständlichkeiten“ keine ernsthafte Auseinandersetzung riskiert. Weshalb soll das heute anders sein?

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    • sigurd6 sagt:

      Ich würde sagen, wir befinden uns schon wieder im Kalten Krieg. Und möge er bitte kalt bleiben. Ihrem Kommentar kann ich voll zustimmen und das Punkt für Punkt.

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