Moment mal: Was nun?

Nachdem es in Syrien mal wieder einen Giftgasanschlag gegeben haben soll, sah der amerikanische Präsident keine andere Möglichkeit als hier einen Schlag gegen das Assad-Regime zu starten. Frankreich und Großbritannien waren sofort mit von der Partie. Über die Gründe kann man spekulieren, Trump hat massive Schwierigkeiten im eigenen Land und mit solchen Maßnahmen lässt sich immer gut von eigenen Problemen ablenken, May ist froh über jede Aktion, die von den ärgerlichen Brexit-Verhandlungen ablenkt, aber Macron?

Aber was soll‘s in der Nacht von Freitag auf Sonnabend schoss man Raketen von verschiedenen Standorten ab und hatte damit seine Schuldigkeit getan. Die Reaktionen auf den Schlag gegen Assad waren dann auch sehr verhalten, was schon darauf schließen lässt, dass es keine größeren Schäden gab. Weder Russland noch Assad reagierten wutentbrannt und die Reaktionen auf die Aktion im Westen war, na ich schreibe mal, pflichtgemäß.

Und nun oh welch eine noble Idee soll das Syrienproblem politisch gelöst werden. Unser Außenminister Maas möchte eine Initiative starten und auch Macron sieht die Zeit für Verhandlungen einer politischen Lösung für gekommen. Da sei doch die Frage gestattet, weshalb man nicht schon vor einem Jahr zu dieser Überzeugung gelangt sei? Einige werden sich vielleicht in unserer schnelllebigen Zeit noch daran erinnern, auch damals flogen Assad Raketen um die Ohren. Danach war dann wieder Funkstille.

Und noch eine Frage sei erlaubt, hat der amerikanische Präsident überhaupt ein Interesse sich am Friedensprozess zu beteiligen? Ich bezweifle das, nachdem Russland in dieser Region langsam die Macht ist, die den USA den Rang abgelaufen haben. Die USA sind in der arabischen Welt, so sehe ich das, schon lange nicht mehr Ansprechpartner Nr. 1. Zu dilettantisch war die Außenpolitik der USA in dieser Region.

So bleibt der fade Beigeschmack, dass der Angriff auf Syrien eher eine lästige Pflicht war, um sich in Erinnerung zu bringen. Eine Strategie ist dahinter nicht zu erkennen. Schon deshalb ist die Reaktion aus Moskau auch mehr oder minder pflichtgemäß gewesen. Und ich kann mich täuschen, im Westen war man eher froh darüber, dass weder russische Soldaten noch russische Einrichtungen getroffen wurden, als darüber Assad einen Denkzettel verpasst zu haben. Nicht, dass aus einem Twitterer noch einer wird, der aus Versehen den 3. Weltkrieg anzettelt.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

12 Kommentare zu “Moment mal: Was nun?

  1. rabohle sagt:

    Wie will man denn mit Assad verhandeln?

    Als Justizminister hatte Maas schon mit Hetzrednern (richtigerweise) Gespräche abgelegt – Assad redet nicht nur und nun will Maas verhandeln?

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  2. christahartwig sagt:

    Die EU hat in dieser Ecke der Welt praktisch überhaupt keinen Einfluss, äußert aber Verständnis für den amerikanischen Raketenangriff, während gleichzeitig darauf gedrungen wird, dass man den Sachverständigen die Möglichkeit gibt, festzustellen, ob tatsächlich ein Giftgasanschlag stattgefunden hat. Und da drauf können wir uns jetzt ein Ei braten. – Übrigens hat m.E. auch der Raketenangriff nichts gebracht. wenn man von einer weiteren Konfrontation USA / Russland mal absieht. Und da fragt man sich, …

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    • sigurd6 sagt:

      … und die Frage wäre durchaus berechtigt. 😀

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    • rabohle sagt:

      Das sehe ich etwas anders, denn der Angriff (wenn auch diskussionswürdig) zeigt deutlich, wo Grenzen sind.
      Hätte man weiter zusehen sollen? Das hat man 33-39 getan.

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      • sigurd6 sagt:

        Ich glaube, die Situation in Syrien ist mit der Deutschlands aus den Jahren 33-39 kaum zu vergleichen.

        Und weshalb der Angriff bevor eine Überprüfung stattfand? Auf die paar Tage wäre es dann ja auch nicht angekommen.

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        • rabohle sagt:

          Wenn man bei Diktatoren keinen Grenzen aufzeigt, kommt es zu Völkerrechtsverletzungen – in den 30er wurde zugeschaut, wie Millionen umgebracht worden sind. Warum sollte bei Assad länger zugeschaut werden? Aus Fehlern wurde gelernt.

          Die Überprüfung hätte doch nichts geändert oder glaubst Du, Assad hätte dann ein Schuldeingeständnis abgegeben?
          Ich denke, die Opfer in Syrien denken auch über ein paar Tage mehr oder weniger etwas anders als wir hier von dem PC.

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      • christahartwig sagt:

        Grenzen werden an vielen Orten der Welt überschritten – ohne dass jemand einschreitet. Eingeschritten wird immer nur, wenn eigene Interessen im Spiel sind. UND: Ein Vergleich mit „33-39“ ist extrem unpassend. Wenn sich etwas in der Geschichte mit dem Holocaust vergleichen lässt, dann z.B. die Ermordung der First Nations auf dem amerikanischen Kontinent – und selbst die haben zumindest versucht, sich zur Wehr zu setzen. In Syrien haben wir es mit einem Bürgerkrieg zu tun, Assad ist unter keinen Umständen bereit, seine Macht abzugeben, und da er nicht genug Militär hat, um dieses große Land unter Kontrolle zu bringen, wird er auch international geächtete Mittel einsetzen, wenn ihm das etwas nützt.

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        • rabohle sagt:

          Keine Frage: Ohne eigene Interessen wird viel zu oft weggeschaut, da sind wir einer Meinung.

          Vergleiche hinken immer: Aber es ging eher weniger um den Holocaust, als um vorangegangene völkerrechtswidrige Taten. Damals hat die Welt sich nicht getraut, einzuschreiten und so wurden Länder besetzt, politische Gegner verhaftet und gemordet. Bis Sommer 39 wurde sogar noch Hof gehalten und der GröFaz setzte die Schraube immer weiter (Vergleiche zum GröTaZ sind nicht rein zufällig und durchaus beabsichtigt).
          Assad macht das gleiche und setzt verbotene Mittel ein und droht mit erneuter Einsetzung – soll man tatenlos wirklich weiter zuschauen?Ist ja nur ein Bürgerkrieg?
          Ich denke, ich habe eine andere Auffassung als Du oder Sigurd, aber das ist eben (im Gegensatz zu Diktaturen) hier zulässig und auch gut so.

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          • sigurd6 sagt:

            @rabohle, weshalb hat man nach dem Raketenangriff vor fast genau einem Jahr, nicht versucht die Syrienfrage zu regeln? In diesem Jahr geschah viel Gräuel* in Syrien. Und zwar von allen Seiten.

            Jetzt auf einmal hält es Macron, was ich durchaus begrüße, für notwendig eine politische Lösung zu finden. Und Kanzlerin Merkel kann sich das unfassbare vorstellen, sogar mit Assad zu reden. Hätte man zu dieser Einsicht nicht schon früher kommen können.

            Ich hatte schon vor Jahren hier geschrieben, eine Lösung in Syrien ohne die Einbindung Assads kann ich mir nicht vorstellen.

            *Also trotz Rechtschreibreform, ich finde Greuel trotzdem richtiger. 😀 War ja auch bis 1996 richtig so.

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            • WernerBln sagt:

              „Ich hatte schon vor Jahren hier geschrieben, eine Lösung in Syrien ohne die Einbindung Assads kann ich mir nicht vorstellen.“
              Das ist auch heute noch richtig. Überhaupt hätte etwas mehr Realismus i.S. „arabischer Frühling“ möglicherweise verhindern können, alle die betroffenen Ländern in ein (meist größeres) islamistisches Chaos zu stürzen.

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  3. sigurd6 sagt:

    @WernerBln, da kam eben wieder der Wunsch, diesen Ländern die „Errungenschaften“ der Demokratien überzustülpen, durch.

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