Das Jahr der Jubiläen – Teil 1

Vielleicht erinnert sich jemand daran, ich hatte in meinem Neujahrsgruß für 2018 geschrieben, 2018 wird für mich das Jahr der Jubiläen.

Und so langsam nähere ich mich dem Tag im Jahr 1968, an dem ich neue Wege ging. Von unserer Band hatte ich mich längst verabschiedet und meine Arbeitsstelle in meiner Geburtsstadt schon gekündigt. Natürlich nicht, ohne vorher meine Perspektiven auszuloten. Mein Ziel war es, noch im Jahr 1968 nach Berlin zu gehen.

Jedoch wollte ich, bevor ich diesen Schritt wagte erkunden, wie ich mich in der Fremde zurechtfinde. Und hier erschien mir der direkte Weg nach Berlin, damals ja noch West-Berlin doch etwas zu groß. Von einer verträumten Klein- in eine Millionenstadt zu gehen, ginge das gut?

Ich hatte zwar gute Kontakte nach Berlin, einige meiner engsten Freunde und Freundinnen waren bereits dorthin gegangen, auch lernten wir immer wieder junge Menschen aus Berlin bei uns kennen, die ich später übrigens in West-Berlin alle wieder getroffen habe, aber etwas Skepsis blieb doch.

Am Arbeitsamt in meiner Geburtsstadt hatte ich Sachbearbeiter gefunden, die mir gerne bei einer Alternative für einige Zeit in einer anderen Stadt zur Verfügung standen und mich Ende April darüber informierten, dass eine Druckerei im Allgäu händeringend einen Schriftsetzer für einige Monate suchte. Ob ich daran Interesse hätte, wurde ich gefragt. Und wie ich interessiert war. Das passte wunderbar in meine Planung. Die Konditionen waren klar, ich brauchte dem Druckereileiter nichts vorzumachen eine Anstellung für die Ewigkeit zu suchen und ich wusste, dass meine Zeit dort maximal auf ½ Jahr beschränkt war.

Doch da man damals mit 18 Jahren noch nicht volljährig war, und Ende April war ich sogar erst 17 Jahre alt, begann nun die Überzeugungsarbeit an meiner Mutter. Hier musste ich besonders behutsam vorgehen. Mein Vater verstarb, als ich gerade 9 Jahre alt war und somit würde nun auch noch der Sohn aus dem Haus gehen. Von meiner Absicht, nach Berlin zu ziehen, war sie ohnehin nie begeistert. Für sie war Berlin das „Sündenbabel“. Es waren eben die vermufften 60er Jahre.

Doch nun ging ich ja erst einmal ins Allgäu und davon müsste sie eigentlich zu überzeugen sein. Zwei Wochen hatte ich Zeit um sie zur Zustimmung zu bewegen. In zwei Wochen würde ich 18 sein und damit, so war das damals, beschränkt geschäftsfähig.

Mir saß auch noch die Bundeswehr im Nacken. Denn damals gab es eigentlich nur den Weg nach West-Berlin um diesem Trachtenklub zu entgehen. Und meine Lust auf diesen Klub hielt sich in sehr engen Grenzen. Um nicht zu schreiben, ich verachtete diesen Klub.

Fortsetzung folgt

 

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21 Kommentare zu “Das Jahr der Jubiläen – Teil 1

  1. lesenbiene sagt:

    Einfach war dieser Schritt bestimmt nicht und bei Deiner Mutter war sicher viel Überredungskunst nötig, damit sie Dich ziehen lies. Einfach war es für sie bestimmt nicht, der Sohn soweit weg.

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  2. rabohle sagt:

    „Verachten“ sollten man YTours wohl eher nicht (weshalb?), aber deren Sinn hinterfragen.

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    • sigurd6 sagt:

      Doch damals habe ich die Bundeswehr tatsächlich verachtet. Ich konnte nicht verstehen, weshalb nach 2 brutalen Weltkriegen schon wieder eine Armee haben muss. Das war mir zutiefst zuwider.

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      • rabohle sagt:

        Das meinte ich mit „Sinn hinterfragen“. Aber verachten ist für ich nun einmal etwas anderes.

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      • WernerBln sagt:

        Sicher kann man über die jeweiligen Zielsetzungen unterschiedlicher Meinung sein. Das „verachten“ war und ist für mich aber nicht nachvollziehbar. Wer sich, wie auch immer (Einberufung oder Beruf) bereitfindet, seine körperliche Unversehrtheit, bis hin zum Ableben, für die äußere oder innere Sicherheit dieses Landes zu riskieren, ist für mich -vorsichtig formuliert- mindestens „achtbar“!

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  3. Corona sagt:

    In diesen Alter solch einen gewagten Schritt zu tun, war sehr mutig von dir.
    Bin auf die Fortsetzung gespannt.

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  4. ballblog sagt:

    Das waren sehr große Pläne damals….

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  5. JanJan sagt:

    Aber wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen nach Berlin zu gehen… Ich meine eine Franke -bisschen Bayer- bei den Preußen…

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  6. Berta sagt:

    Du warst schon in jungen Jahren ein sehr entschlossener Mensch.
    Aus welcher Gegend Deutschlands kommst du eigentlich, Sigurd? Ich dachte, du seist Ur-Berliner. 😀
    Ich bin auch gespannt auf den zweiten Teil deiner Geschichte.

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