Jahr der Jubiläen – Teil 3

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Nun war er also gekommen der Tag, auf den ich mich seit Wochen gefreut hatte, aber den ich auch mit etwas Wehmut und Skepsis entgegenfieberte. Freude auf das was die Zeit im Allgäu an Neuem bringen würde. Wehmut weil ich meine Familie und Freunde wohl doch vermissen werde. Skepsis weil ich nicht einschätzen konnte, was mich nun erwarten würde.

Nach einem ausgedehnten Frühstück mit meiner Mutter fuhren wir zum Bahnhof. Der Zug wurde bereits bereitgestellt und so war die Abschiedsszene zum Glück recht kurz. Ich hasse Abschiede. Und es war ja nun auch kein Abschied für immer.

Also rein ins Abteil Fenster runter und dann ging es auch schon los. Winke, winke und der Zug nahm Kurs auf Nürnberg. Dort musste ich umsteigen. Nächster Umsteigebahnhof war Augsburg und dann nochmals in Kaufbeuren. Ich weiß nicht, wie lang die Fahrt damals dauerte, war mir auch egal. Ich fand es spannend und kam am frühen Nachmittag an meinem Zielort im Allgäu an.

Abgeholt wurde ich vom Sohn des Druckereibesitzers. Keine Ahnung wie wir uns damals erkannten, es stiegen ja nicht so viele aus auf diesem Bahnhof. Jedenfalls kam er sofort auf mich zu und begrüßte mich mit einer Herzlichkeit, als ob wir uns schon ewig kannten. Na das fängt ja erfreulich an, dachte ich mir. Einen Koffer nahm er mir auch gleich ab und so gingen wir erst einmal zum Druckereibetrieb der, wie sich schnell herausstellt, nicht weit entfernt vom Bahnhof war.

Dort lernte ich dann auch den Druckereibesitzer, dessen Frau und seinen Druckereileiter kennen. Und die Chemie zwischen uns stimmte eigentlich sofort. Überhaupt fand ich an dem ganzen Betrieb auf Anhieb gefallen. Gut die zukünftigen Kollegen in der Setzerei waren noch etwas zurückhaltend, als ich vorgestellt wurde, doch das war normal. Sie wollten mich erst näher kennenlernen. So hielt ich mich ca. 1 ½ Stunden dort auf, bevor mich der Juniorchef zu meinem Zimmer brachte, dass man für mich gemietet hatte.

Es war ein schönes großes Zimmer in der 1. Etage eines Einfamilienhauses. Hell und sauber mit einer Vermieterin die ich als eher zurückhaltend beschreiben möchte. Gut, das wird schon noch kommen dachte ich, wir müssen uns ja nicht um den Hals fallen. Wie sich herausstellte, wohnte noch ein Kollege aus der Druckerei bei ihr. Als ich aus dem Fenster meines Zimmers sah, eröffnete sich vor mir ein wunderschönes Alpenpanorama. Schon das fand ich klasse. Die Alpen direkt vor mir, ich brauchte nur die Fenster zu öffnen. So ganz vor mir waren sie natürlich nicht, wir befanden uns im Voralpengebiet. Bis zu den Alpen waren es noch ein paar Kilometer.

Doch das alles sah sehr erfreulich aus und die ersten Eindrücke, man sagt ja die seien wichtig, waren durchweg positiv. Als der Abend nahte, setzte ich mich an den Tisch, und begann einen Brief an meine Mutter zu schreiben. In diesem teilte ich ihr meine ersten Eindrücke mit und hoffte, sie damit etwas zu beruhigen. Telefoniert hatte ich schon kurz vorher mit ihr und ihr mitgeteilt, dass ich gut angekommen war.

So ging ein erster ereignisreicher Tag in meiner neuen Umgebung zu Ende. Und nachdem ich in einer Gaststätte ein ausgiebiges Essen eingenommen hatte, und anschließend einen Spaziergang durch das Dorf machte, hatte ich die richtige Bettschwere und schlief auch schnell ein.

Am nächsten Morgen wurde ich ohne Wecker rechtzeitig wach, ich hatte nämlich gar keinen Wecker mit, da ich bisher immer rechtzeitig wach wurde. Das wäre mir an einem besonderen Tag fast zum Verhängnis geworden. Davon aber in der nächsten Fortsetzung mehr.

Zwischenzeitlich begann nun mein erster Arbeitstag im Allgäu. Kaum zu glauben, dass das schon 50 Jahre her ist.

Natürlich kann ich mich nicht mehr an alle Einzelheiten aus dieser Zeit erinnern. Sondern nur noch an wenige Ereignisse. Diese werde ich dann kompakt aufschreiben.

Deshalb folgt die nächste Fortsetzung in einigen Wochen.