Jahr der Jubiläen – Teil IV

Der Sommer 1968 war, so meine Erinnerung, eher einer der schöneren. Ich erinnere mich dunkel, dass ich viel unterwegs war und das Voralpengebiet in vollen Zügen genossen habe.

Viel in Erinnerung habe ich, nach 50 Jahren, nicht mehr, aber ich fand es schon erstaunlich, wie nett mich die Jugend des Dorfes aufgenommen hatte. Klar es gab die üblichen Frotzeleien, aber immer war ersichtlich, dass es eben Spaß war. Ob im Betrieb oder in der Freizeit, nie wurde ich geschnitten, heute würde man schreiben gemobbt.

Also hatte ich mit diesem Ort und der Arbeitsstelle voll ins Schwarze getroffen. Rund herum geschrieben, ich fand es unheimlich toll dort und das merkte man mir wohl auch an. Fast hätte ich meine Berlinpläne darüber vergessen.

Jedoch konnten es sich meine Kollegen nicht verkneifen einen Scherz mit mir zu machen. So war jedenfalls ihr Plan. Meine Haare waren zwar nicht übermäßig lang, aber unterschieden sich doch deutlich vom relativ braven Schnitt um mich herum. Irgendwann musste auch ich mal zum Friseur und da war natürlich guter Rat teuer. Und die Kollegen empfahlen mir einen „Spitzenfriseur“.

Der Eifer, den sie dabei an den Tag legten, hätte mich eigentlich misstrauisch machen müssen. Was ich nicht wusste, der Friseurmeister mochte keine Langhaarigen. Wie man mir am nächsten Tag lachend erzählte, schmiss er sie entweder raus, oder verpasste ihnen einen Militärhaarschnitt. Also ging ich völlig unbelastet in den Laden und da kam er mir schon entgegen. Den Blick, mit dem er mich musterte und mich mehr oder minder abschätzte, vergesse ich nicht. Was ich denn wolle, fragte er. Worauf ich ruhig antwortete, dass ich gerne die Spitzen geschnitten haben möchte. Er merkte natürlich sofort, dass ich ein Fremdling war, und wurde komischerweise freundlicher.

Woher ich denn komme, fragte er mich und ich sagte es ihm. Da sind alle Schranken gefallen, denn er war Wagnerfan. Ich konnte damals mit Wagner noch nicht viel anfangen, ging jedoch auf das Gespräch ein und er schnitt mir dabei die Haare. Jedoch nicht so, wie meine Kollegen es erhofft hatten um ihren Spaß zu haben, sondern so wie ich es ihm sagte. Und er war tatsächlich ein guter Friseur. Dumm gelaufen für die Jungs, die am nächsten Tag doch etwas irritiert guckten, als sie sahen, dass meine „Haarpracht“ nicht so gelitten hatte wie sie es erhofften. Natürlich hüllte ich darüber, was den Friseur bewog mich nicht auf Militärlänge zu stutzen, den Mantel des Schweigens.

Übrigens war ich in dem Friseurladen noch einige Male und wurde stets freundlich bedient.

Als ich mich entschlossen hatte meine Vorberlinzeit im Allgäu zu verbringen, war ich mir bewusst, dass ich als damals noch Evangelischer in eine katholische Gegend kam. Deshalb hatte ich schon einige Bedenken, wie die Leute darauf reagieren würden, dass ich am Sonntag nicht in die Kirche renne. Doch auch das war überhaupt kein Problem und ich wurde darauf nicht einmal angesprochen. Denn auch viele junge Menschen im Dorf nahmen es mit dem Kirchgang nicht mehr so genau. Also waren die Bedenken meinerseits zum Glück auch hinfällig.

Ich schreibe immer von einem Dorf und bin mir nicht sicher, ob es nicht doch schon eine Kleinstadt war. Heute, ich hatte es schon geschrieben hat es Stadtrecht, obwohl es die Endung Dorf im Städtenamen hat.

Ich möchte euch mit diesen Geschichten nicht überstrapazieren. Und wie schon geschrieben habe ich auch nicht mehr so viele Erinnerungen an diese Zeit. Eine Jubiläumsgeschichte aus dem Allgäu kommt noch im Juli.

Na dann, bis dann. 😀