Moment mal: Wehrpflicht für alle?

Als im Juli 2011 die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt wurde, dachte ich, endlich hört dieser Blödsinn auf.

Wer glaubt, seine Berufung darin zu sehen, sich in sinnlosen Kriegen herumzuschlagen, kann der Truppe ja beitreten. Doch nun kommt die Generalsekretärin der CDU Kramp-Karrenbauer mit der Forderung um die Ecke, die allgemeine Wehrpflicht wieder einzusetzen. Und zwar für Männer und Frauen. Oder man muss ein verpflichtendes Jahr, also ein Sozialjahr, eingehen.

Schön Frau Kramp-Karrenbauer, die Wehrpflicht empfand ich schon immer als Idiotie. Sie war auch ein Grund, weshalb ich damals nach Westberlin ging. Doch war das damals noch eine andere Bundeswehr. Sie war nur in der Bundesrepublik und da zur Verteidigung gegen wen auch immer stationiert. Doch das hat sich geändert. Heute sollen die Soldatinnen und Soldaten in aller Welt präsent sein. Weshalb auch immer. Den Schmarren, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt wird, glaubt ohnehin niemand.

Mit einer Berufsarmee kann man das ja machen. Die, die zu ihr gehen wissen was ihnen blühen kann. Mit Zwangsrekrutierungen, ja genau so sehe ich das, geht das ja wohl nicht. Oder sollen die Zwangsrekrutierten etwa auch ihre Köpfe in jedem Krisengebiet der Welt hinhalten? Nur weil „unsere“ Verteidigungsministerin die erste ist die ruft wir schicken Truppen, wenn irgendwo eine Unruhe droht?

Politiker und Politikerinnen die so etwas fordern sollte man, so finde ich, aus dem Amt entfernen.

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

35 Kommentare zu “Moment mal: Wehrpflicht für alle?

  1. nana sagt:

    Es geht bei der (Schnaps)Idee gar nicht in erster Linie um die Wehrpflicht, glaube ich. Sondern um die sozialen Dienste, also den ehemaligen Zivildienst.

    Mit den fehlendes „Zivis“ ist gerade im Pflegebreich viel Unterstützung weggebrochen. Und statt nun dafür zu sorgen, dass hier Abhilfe geschaffen wird (bessere Bezahlung und Ausbildung, mehr Personal), reagiert mit man mit solchen abwegigen Vorschlägen.

    Grundsätzlich finde ich so ein soziales Jahr gar nicht nicht schlecht, manchem jungen Menschen würde das vielleicht Respekt und Empathie „verschaffen“.

    Aber verpflichtend und gar mit Wehrpflicht verbunden, das geht geht nicht.

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  2. ballblog sagt:

    Ich habe neulich jobbedingt die erste Militärparade meines Lebens aus nächster Nähe mitbekommen. Und sah mich nach langen Jahren erneut darin bestätigt, bei solch einem Vereinn icht dabei gewesen zu sein.

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  3. WernerBln sagt:

    Auch wenn ich dafür hier wenig Freude erzeugen werde:

    Ich halte das Konzept einer allgemeinen Wehrpflicht für unverzichtbar. Allerdings nur für männliche Wesen und ausdrücklich nicht als „Allgemeine Dienstpflicht“ sprich kostengünstige Alternative im Sozialbereich!

    Selbst wenn man in den ersten Jahren nach Niedergang des Kommunismus mangels Feindbild meinte, die Aussetzung der Wehrpflicht vertreten zu können, so war dies 2011 mit Sicherheit durch gar nichts mehr zu begründen. Was wir im Ergebnis dieser Irrsinnsentscheidung heute haben, ist ein Trümmerhaufen an funktionsunfähiger Armee. Zu der verantwortlichen Ministerin schweige ich mal vornehm.

    Ich teile die Auffassung, dass eine Wehrpflichtarmee nichts in irgendwelchen merkwürdigen Ecken dieser Welt zu suchen hat, allerdings nach meiner Überzeugung auch keine deutsche Berufsarmee. Na ja, vielleicht haben wir ja denn irgendwann auch noch eine Fremdenlegion?

    Kleine historische Rückschau, die allgemeine Wehrpflicht wurde anlässlich der Befreiungskriege 1813/14 eingeführt. Genau dies, nämlich die Verteidigung des eigenen Landes im eigenen Land, ist Aufgabe einer Wehrpflichtarmee.

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    • rabohle sagt:

      Warum nur für Männer?
      Wenn Gleichberechtigung, dann auch in diesem Bereich.

      Bei der Rückschau sollte man ggfs. eher das Jahr 1956 vor dem Hintergrund eines verlorenen Krieges sehen.
      Nach dem Krieg sagte ein gewisser Franz-Josef-Strauß einmal sinngemäß: „Wer jemals wieder ein Gewehr in die Hand nimmt, dem sollte der Arm abfallen“ – 1956 wurde er Verteidigungsminister mit Wehrpflichteinführung.

      Und wer heute für die Wehrpflicht ist, dem lege ich nahe, selbst erst einmal als Soldat seinen Kopf hinzuhalten. 😉

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    • rabohle sagt:

      „Was wir im Ergebnis dieser Irrsinnsentscheidung heute haben, ist ein Trümmerhaufen an funktionsunfähiger Armee.“

      Mit Wehrpflichtigen wäre sie dann funktionstüchtig? Und ich dachte, die Technik versagt. 😉

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    • sigurd6 sagt:

      WernerBln:
      … allerdings nach meiner Überzeugung auch keine deutsche Berufsarmee.

      Das sehe ich genauso.

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      • rabohle sagt:

        Ich sehe es etwas anders:

        Denn es kann a) nur im Staatenbund funktionieren und b) auch deutsche Schiffe werden durch Piraten bedroht; warum sollte also nur ein z.B. it. Boot dann die dt. Handelsschifffahrt schützen?

        Aber eben nur mit einer Berufsarmee, nicht mit armen Schweinen, die mit unzureichender Ausrüstung mussten.

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        • sigurd6 sagt:

          Wenn Piraten deutsche Schiffe kapern, ist das etwas anderes, als wenn z. B.in Mali verschiedene Gruppen aufeinander losgehen.

          Für einen Einsatz gegen Piraten wird es wohl kaum etwas zu sagen geben. Für andere Einsätze jedoch jede Menge.

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          • rabohle sagt:

            Der überwiegende Teil einer Crew eines deutschen Schiffes stammt nicht aus Deutschland, möglicherweise sogar aus Mali.
            Aber im Ernst: Auch in Mali oder sonstwo werden Menschen getötet, wenn sie nicht beschützt werden. Das geht aber nicht durch „Zuschauen“ und im Sicherheitsrat verurteilen. Das geht nur mit Beschützern vor Ort. Ich denke daher, dass auch das Schicksal in Mali uns schon interessieren sollte
            Zweifelhaft kann dabei lediglich sein, ob so ein Einsatz erfolgreich sein kann, denn „den Feind“ kannst Du nicht vom Freund oder Unbeteiligten unterscheiden, da eine Erkennung nicht möglich ist.

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  4. andheu sagt:

    Ich finde die Wiedereinführung gar nicht mal so schlecht wenn man es mit einem gleichberechtigten Zivildienst umsetzt. Zum einen finde ich es gut wenn man kein Berufsheer hat welches dazu verleitet schneller weltweit eingesetzt zu werden. Zudem bringt es die Armee näher an die Bevölkerung. Zum anderen glaube ich, dass es für junge Menschen eine sinnvolle Entwicklungsmöglichkeit bietet wenn man ein Jahr für das Gemeinwohl der Bevölkerung gibt, egal ob bei der Armee oder dem Zivildienst. Es gibt einige positive Aspekte für einen einjährigen Pflichtdienst egal welcher Art. Wir haben jede Menge Rechte in diesem Staat, die ein leben lang gelten, und da finde ich es mehr als fair wenn man min. auch ein Jahr für eben jenen Staat gibt.

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    • sigurd6 sagt:

      Für die Einführung eines Pflichtjahres müsste das Grundgesetz geändert werden. Dafür gibt es momentan keine 2/3-Mehrheit im Bundestag.

      Die Wehrpflicht wurde 2011 eben auch deshalb ausgesetzt, weil man mit einer Berufsarmee die Soldaten und Soldatinnen schneller irgendwohin schicken kann.

      Ich bin der Meinung, man kann die jahrelangen Versäumnisse der Politik nicht auf dem Rücken der jungen Menschen austragen. Sicher würde ein soziales Jahr manch einem guttun, jedoch muss es dann auch auf freiwilliger Basis geschehen.

      Nur weil in den Pflegeberufen Notstand herrscht, kann man junge Menschen nicht verpflichten. Dann muss man diese Berufe eben attraktiver machen und für eine ordentliche Bezahlung sorgen.

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      • rabohle sagt:

        Daumen hoch für Deine beiden letzten Absätze.

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      • WernerBln sagt:

        „Für die Einführung eines Pflichtjahres müsste das Grundgesetz geändert werden. Dafür gibt es momentan keine 2/3-Mehrheit im Bundestag.“

        Völlig richtig und genau deshalb ist die geheuchelte Begeisterung der CDU für ein Modell, von dem klar ist, dass es nicht realisierbar ist, mal wieder ein Beispiel für die vorsätzliche Irreführung der Bürger. Wird besonders deutlich an den Äußerungen der von mir hochgeschätzten Verteidigungsministerin „Wehrpflicht aktivieren, macht gar keinen Sinn aber das Jahr für alle wäre toll“.

        Also man versucht den Eindruck zu vermitteln, man wäre für die nicht realisierbare Dienstpflicht, um zu vernebeln, dass man ja selber die Wehrpflicht so gründlich ausgesetzt hat, dass sie mangels entsprechender Logistik kurzfristig gar nicht wieder eingeführt werden könnte (Ausbilder, Kasernen, Wehrkreisämter?). Diese Protagonisten möchte ich mal sehen wenn denn die Dienstpflicht mit Änderung des GG beschlossen würde und sich Tausende für den Wehrdienst entscheiden!

        Hintergrund natürlich, dass diese ehemals konservative Volkspartei (U 30) sich grade dem Sinkflug der anderen linken ehemaligen Volkspartei (U 20) anschließt.

        https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/sonntagsfrage/

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      • andheu sagt:

        Genau deswegen finde ich eine Berufsarmee eher nicht so gut. Denn ob es so positiv ist, dass man die Armee immer und überall schnell hinschicken kann.
        Natürlich soll ein verpflichtendes Jahr nicht dazu führen den Notstand in der Pflege auszugleichen. Das ist ja ein ganz anderes Thema und sollte seperat betrachtet werden. Und das in diesen Bereichen Nachholbedarf besteht steht außer Frage. Ich glaube jedoch, dass ein Pflichtjahr sehr gut für die Entwicklung jungen Menschen ist.

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        • sigurd6 sagt:

          Nein, natürlich ist das nicht gut. Die Bundeswehr ist ja als reine Verteidigungsarmee einstmals in den 1950er Jahren eingeführt worden. Und zwar zur Verteidigung des eigenen Landes.

          Dass ein soziales Jahr der Entwicklung junger Menschen dient, ist unstrittig. Jedoch nicht als Pflichtjahr. Das ist schon nach dem Grundgesetz nicht möglich.

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          • andheu sagt:

            Na ja es war bis zur Abschaffung der Wehrpflicht möglich, also wäre es auch jetzt möglich. Müsste man halt das Grundgesetz ändern. Da dies mit den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen im Bundestag nicht machbar ist, ist ja auch klar weswegen der Vorschlag eh nicht so ernst zu nehmen ist. Aber generell hätte ich nichts dagegen wenn man solch ein Pflichtjahr einführt.
            Ich glaube allerdings nicht, dass dies passiert.

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