Moment mal: Murren und knurren

So langsam formieren sich die Gegner und Gegnerinnen der Bundeskanzlerin in den Reihen der CDU. Und für viele kam die Abwahl des Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder völlig überraschend. Er wurde abgewählt, obwohl sich gerade die Bundeskanzlerin und der Bundesinnenheimatminister H. Seehofer für ihn aussprachen. Oder gerade deswegen?

Der Niedergang des Volker Kauder begann für mich spätestens als er offensichtlich die dunklen Wolken am Himmel der Schwesterparteien CDU/CSU nicht rechtzeitig erkannte. Als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag hätte er das Spiel des Horst Seehofer und seines Wadenbeißers A. Dobrindt in der Flüchtlingsfrage viel früher erkennen und entschärfen müssen. Das ist ihm damals nicht gelungen und brachte die Regierungskoalition in eine schwierige Lage. In eine Lage, die sich bis heute durchzieht. Die Gräben zwischen CDU, CSU und SPD werden nur notdürftig zugeschüttet und die Regierungsmannschaft gibt nach außen ein zerrüttetes Bild ab.

Volker Kauder ist der Vertraute der Bundeskanzlerin. Auch für sie ist das ein schwerer Rückschlag und zeigt, dass sie nicht mehr unumstritten ist. Auch wenn man in der Fraktion beteuert, dass man voll hinter der Kanzlerin steht. Wie gefährlich solch eine Aussage ist, davon können viele Führungskräfte ein Lied singen. Für einen Fußballtrainer ist solch eine Aussage schon fast die Aufforderung sich seine Papiere abzuholen.

Normalerweise sollte solch eine Abstimmung in einer Demokratie normal sein. Wenn zwei für einen Posten kandidieren muss es einen Verlierer geben. Doch hier, so scheint es, ist die Beendigung einer Ära endgültig eingeläutet worden.

Bleibt zu hoffen, dass spätestens nach den Wahlen in Bayern und Hessen die Karten in Berlin neu gemischt werden. Dem Land würde es guttun, wenn endlich wieder Politik in Berlin gemacht werden würde. Ob das jedoch mit der Bundeskanzlerin und dem Innenminister zu machen wäre, wage ich zu bezweifeln. Zumindest hier muss endlich eine Entscheidung fallen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

6 Kommentare zu “Moment mal: Murren und knurren

  1. WernerBln sagt:

    Dass derartige Abstimmungen mit offenem Ergebnis in einer Demokratie selbstverständlich sein SOLLTEN, ist unbestritten.
    Bei der GröKaZ ist aber alles alternativlos. Folglich gab es ja auch bislang bei dieser Wahl noch nicht mal Gegenkandidaten. Genauso übrigens, wie bei der Wahl von gewissen SPD-Vorsitzenden mit 100%. In der Folge haben die Volksvertreter der jeweiligen Regierungspartei(en) nur noch die Funktion, die von der Parteiführung beschlossenen Weisheiten im Parlament abzusegnen. Das zeugt nach meiner Überzeugung von einem pervertierten Parteiensystem, welches sich den Staat zur Beute gemacht hat.
    Insofern ist natürlich dieser Paukenschlag sehr bemerkenswert. Wie ich den Medien entnommen habe, auch wesentlich von CDU aus den neuen Bundesländern befördert. Na klar, die haben angesichts der aktuellen Prognosen auch die größten „Überlebensängste“ und wohl auch die aktuelleren Erfahrungen mit alternativlosen Staatsvorsitzenden!
    Hauptschuldige an dem sich nun abzeichnenden Desaster ist für mich eindeutig die Kanzlerin. Die von Ihnen immer wieder angeführten bayerischen „Einsprengsel“ halte ich (leider) für weitgehend bedeutungslos.
    Klar ist eigentlich, Merkel und ihre gesamten Protagonisten sind nicht mehr tragbar. Angesichts der politischen Landschaft sehe ich allerdings keine vernünftige Alternative mehr und insofern wird es wohl ziemlich ungemütlich werden, auch wenn man das mögliche / wahrscheinliche(?) Ende der EU mit berücksichtigt, an dem die genannte Kanzlerin nun wahrlich nicht unschuldig ist. Ob nun „Ende mit Schrecken“ oder „Schrecken ohne Ende“ besser ist, möge jeder für sich entscheiden!

    Gefällt 1 Person

    • sigurd6 sagt:

      In der Beurteilung der Schwesterpartei CSU liegen wir sehr weit auseinander. Denn die schlechte Koalitionsatmosphäre in Berlin wurde durch sie stark geprägt. Weil sie in Bayern ihre Felle davonschwimmen sieht, ist ihr fast jedes Mittel recht um Stimmen zu erhaschen, die längst abgewandert sind.

      Gefällt 1 Person

  2. rabohle sagt:

    Es sollte in der Tat endlich eine Entscheidung fallen. Denn mit jedem Tag, jeder Auseinandersetzung stärken sie sonst die dunkle Seite der Macht (um es milde auszudrücken).

    Auch wenn sich alle an ihren Posten und ihre Diäten klammern – die Zeit für Neuwahlen ist da..

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.