Vorweihnachtszeit?

Mag sein, dass ich etwas kleinlich bin. Mag sein, dass ich gerade hier nostalgisch bin. Mag sein, dass mir dieser Kommerz auf den Wecker geht. Das alles mag sein. Ich möchte mich jetzt auch nicht wie meine Großeltern anhören, indem ich behaupte früher war das schöner. Aber es ist so, mir geht es so.

Ich kann mich noch gut an die Vorweihnachtszeit erinnern, als die Vorweihnachtszeit tatsächlich noch die Vorweihnachtszeit war. Und damit meine ich die Zeit vom 1. Advent bis heilig Abend. In den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war es noch so. Mit dem 1. Advent wurde in unserer Stadt, in der es zwei große Spielzeugläden gab, jeweils eine große elektrische Eisenbahn im Schaufenster in einer wunderschön gestalteten Landschaft gezeigt. Und wir drückten uns an der Scheibe förmlich die Nasen platt. Und mit diesem Datum kamen auch erst Weihnachtsartikel in die Geschäfte. Die vier Sonntage vor heilig Abend waren verkaufsoffen. Nun muss man wissen, dass damals die Geschäfte Wochentags meist um spätestens 18:30 Uhr schlossen und am Sonnabend um 14:00 Uhr, auch die Kaufhäuser.

Ich fand, diese 4 Wochen hatten tatsächlich etwas Beschauliches. Klar als Kind bekam man die Hektik der Erwachsenen, die es natürlich auch damals schon gab, wenn auch nicht so wie heut, nicht mit. Trotzdem hatte ich das Gefühl, man ließ es etwas ruhiger angehen und freute sich auf die bevorstehenden Feiertage. Es wurde gebacken und wir Kinder schrieben Wunschzettel, die sich fast täglich änderten. Kurz geschrieben, es war eine besondere Zeit. Und am Heiligen Abend oder am 1. Feiertag traf sich die Familie und es wurde gegessen und geratscht. Und das völlig ohne ständig auf Smartphones zu starren, die es zum Glück noch nicht gab.

Und heute? Kaum ist der letzte Ferientag der Sommerferien vergangen, beginnt schon die Vorweihnachtszeit in den Supermärkten. Vorweihnachtszeit ab August, da kann einem eigentlich alles vergehen. Ich esse Stollen, Lebkuchen und Baumkuchen echt unheimlich gerne. Nur im August, September, Oktober oder November? Nein und nochmals nein. Das kommt mir nicht auf den Tisch.

Ich finde, so hat man das Weihnachtsfest und die Vorweihnachtszeit total verramscht. Ich glaube, diesbezüglich bin ich ein ewig gestriger. Dann ist das halt so. Wahrscheinlich passt etwas Ruhe und Besinnung nicht mehr in die heutige Zeit.

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16 Kommentare zu “Vorweihnachtszeit?

  1. WernerBln sagt:

    Da haben Sie vollkommen Recht. Der Rummel nervt seit Jahren. Hilft nur einfach ignorieren. Ich gestehe allerdings, dass ich dominosteinsüchtig bin und deshalb hat die „beste Ehefrau von allen“ mir auch schon vor Wochen die erste Packung mitgebracht 😉

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  2. Berta sagt:

    Das unterschreibe ich Wort für Wort, auch wenn ich etwas jünger bin.
    Ich mag die „guten, alten Zeiten“ auch nicht verklären. Es war lange nicht alles gut. Aber was die Vorweihnachtszeit angeht, die ich mit der Adventszeit gleichsetze, dann ist diese Zeit nur noch in meiner Erinnerung schön.
    Ich mag vor Dezember keinerlei Nascherei, die weihnachtsspezifisch ist. Es gibt wahrlich mehr, als genug anderes Zeugs, was man naschen kann. Und der ganze sch*** Kommerz geht mir ebenfalls total auf die Nerven. Die kleinen (Vor-)Freuden gehören – zumindest in der Öffentlichkeit – leider der Vergangenheit an. Vielleicht ist es ja auf manchem Dorf, weitab einer Großstadt, noch etwas anders. Das weiß ich nicht. Es wäre sehr erfreulich.
    Noch erfreulicher wäre es aber, wenn man sich im Großen besinnen könnte, dass Weihnachten in seinem Ursprung rein gar nichts mit Kommerz zu tun hat. Aber dieser Wunsch wird wohl bis in alle Ewigkeit nur ein Wunsch bleiben.
    Vielleicht geht Weihnachten ja demnächst als Aktiengesellschaft an die Börse… 😜🤬

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  3. lesenbiene sagt:

    Ich denke hier ist alles schon geschrieben, ein Thema über das ich mich auch schon öfter ausgelassen habe. Lebkuchen und Stollen schon Ende August in den ersten Geschäften, die Kunden tragen noch Shorts, T-Shirt und Sandalen, doch der Rubel muß rollen.
    Vor Jahren war Halloween noch kein Thema, doch nun liegen Halloweensüßigkeiten und Dekoartikel neben den Weihnachtsmännern. Der Handel ist aufgesprungen, denn auch damit läßt sich Geld machen.
    Einfach nichts kaufen, mehr kann man nicht machen.

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  4. Rafael sagt:

    Verramschtes Weihnachten…. Das trifft es genau. Und ab Januar können wir uns in den Geschäften wieder auf Ostersachen „freuen“.

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  5. rabohle sagt:

    Dito, bis zum ersten Advent kommt es nicht auf den Tisch.

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  6. ballblog sagt:

    Bei uns gibt es das alles erst nach Totensonntag, also zu Beginn der ersten Adventswoche.

    Diese ganzen kommerziellen Vorverlegungen gehen mir nur noch auf den Keks. Das betrifft ja etwa auch Grabgestecke. Allerheiligen kommt nicht früher, nur weil man sie schon ab Anfang Oktober kaufen kann. (Und manche tun es wirklich und wunderten sich, wie schnell die braun wurden…)

    Und bunte Eier gibt es ja inzwischen bereits ganzjährig. – Mitunter mache ich mir den Spaß des „Umdekorierens“ im Supermarkt und stelle diesen Eiern dann einen frühen Weihnachtsmann an die Seite.

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  7. JanJan sagt:

    Hmmm… Du kennst ja meine Vorliebe für Weihnachten… 😁 Also am Wochenende Dominosteine und Lebkuchen gegessen und damit darf ich das Fest für dieses Jahr abhaken ✅ 👋

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