Moment mal: Rückzug auf Raten!

Nun hat sie allen die Show gestohlen. Die Bundeskanzlerin kündigte einen Tag nach der Wahl in Hessen ihren Rückzug in Raten an. Sie wird im Dezember nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren und am Ende der Legislaturperiode auch nicht mehr für das Amt der Bundeskanzlerin zur Verfügung stehen.

Nach eigener Aussage hat sie für sich diese Entscheidung schon im Sommer getroffen. Das mag man nun glauben oder nicht, es ist auch egal. Ich frage mich, weshalb zieht sie denn nicht einen konsequenten Schlussstrich. Weshalb sagt sie nicht, dass sie nach der vereinbarten Zwischenbilanz im Frühjahr 2019 vom Amt der Bundeskanzlerin zurücktritt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie bis zum Ende der Legislaturperiode durchhält.

Doch wie sieht es mit der Nachfolge aus? Hier dürfte es spannend werden und auch mit der Wahl des Nachfolgers, der Nachfolgerin der Kurs der CDU ziemlich klar abgesteckt werden. Wird es die von der Kanzlerin favorisierte Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer, so wird sie den Kurs der Bundeskanzlerin in etwas konservativerer Form fortführen. Wenn Armin Laschet, der Ministerpräsident von NRW, in den Ring steigen sollte, so wäre auch bei ihm eher mit der Fortführung der Politik der Kanzlerin zu rechnen.

Anders sieht es bei Jens Spahn aus. Mit ihm würde die CDU wohl eher wieder in die konservativere Ecke rutschen. Und noch einer den man schon fast etwas vergessen hatte, stünde für diesen Weg, Friedrich Merz. Er würde bei der Wirtschaft mit Sicherheit großen Anklang finden.

Interessant dürfte es werden, wie die CDU die Wählerwanderung von Hessen interpretiert. Die genauen Zahlen habe ich jetzt nicht mehr im Kopf, jedoch sind wohl ca. 84.000 Wählerinnen und Wähler von der CDU zur AfD abgewandert und ca. 74.000 Wählerinnen und Wähler von der CDU zu den Grünen. Das zeigt schon, wie zerrissen die Wählerschaft der CDU mittlerweile ist. Die etwas liberaleren gingen zu den Grünen und die eher konservativen zur AfD.

Das macht eine Analyse bestimmt nicht einfacher und dürfte die Frage nach der Ausrichtung der Partei nicht einfacher machen.

Im Moment ist in der CDU nur eines sicher, die Ära Merkel geht entweder im nächsten Jahr oder spätestens mit dem Ende der Legislaturperiode zu Ende.

 

 

Die Kanzlerin hat die Konsequenzen aus dem Theater der letzten Monate gezogen. Leider scheint der, der für die schlechte Darstellung der Regierung der hauptverantwortlich ist, Bundesinnenminister Horst Seehofer der zwar des Öfteren mit seinem Rücktritt gedroht hat, jedoch hat er ihn noch immer nicht vollzogen. Mit diesem Minister ist eine sachbezogene Regierungsarbeit kaum möglich. Diese hat es in den letzten Monaten durchaus gegeben in Berlin. Konnte jedoch durch die Profilneurose des Herrn Seehofer nicht zum Wähler durchdringen. War die Konsequenz der Kanzlerin notwendig, so wäre sie beim Innenminister zwingend erforderlich. Damit endlich Ruhe einkehrt in die Regierungsmannschaft. Schon deshalb sollte die Kanzlerin eine Entlassung des Innenministers in Erwägung ziehen. Sie hat nun ohnehin nichts mehr zu verlieren und die CSU würde sich wohl schwer hüten wegen einer Entlassung des Innenministers aus der Regierung auszuscheiden. Nach meiner Auffassung ist nur so ein glaubwürdiger Neubeginn der Regierung möglich.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

9 Kommentare zu “Moment mal: Rückzug auf Raten!

  1. WernerBln sagt:

    Meine Meinung:
    Die Kanzlerin hat vermieden, sich beim Parteitag eine Niederlage einzufangen. Die Kanzlerin glaubt vermutlich noch nicht mal selber, bis zu Ende der Legislaturperiode Kanzlerin zu bleiben. Das wäre auch fatal für dieses Land. Ihre Fehlentscheidungen (Griechenland, Euro, Energiewende, Flüchtlinge) haben zu dem jetzigen Zustand geführt (auch zum Erfolg der AfD). Wer bitte, hat denn die CDU zu einem profillosen und politisch nicht mehr einzuordnenden Haufen gemacht?
    Alles Schuld von Herrn Drehhofer? Kann ich nicht nachvollziehen!

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    • rabohle sagt:

      In einer Demokratie entscheidet nicht die Kanzlerin im Alleingang, sondern die Regierung. Die Kanzlerin gibt Ihre Meinung kund und zwar mit Nachdruck.

      Weder der Atomausstieg noch die Flüchtlingsaufnahme war eine Fehlentscheidung:

      Bilder aus der Ukraine und aus Japan dürften wohl noch in Erinnerung sein. Und wenn Sie meinen, alles sei so sicher – nehmen Sie doch bitte einmal einen formschönen Castobehälter in Ihrem Wohnzimmer auf; senkt sicherlich auch die Heizkosten.

      Flüchtlingen (und bitte nicht verwechseln mit Kriminellen) macht man keine Tür vor der Nase zu, sondern hilft. Auch wenn die Hilfe vor Ort sinnvoller gewesen wäre, war auch das keine Alleinentscheidung der Kanzlerin.
      .
      Was Sie mit Griechenland (auch H.Schmidt hat die Hilfe beführwortet, und der war sicher kein Freund vom Merkel) und dem Euro meinen … das sollten Sie einmal verdeutlichen.

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    • sigurd6 sagt:

      Alles Schuld von Herrn Drehhofer? Kann ich nicht nachvollziehen!

      @WernerBln
      Dass es nur die Schuld von Herrn Seehofer ist, habe ich auch nicht geschrieben. Aber er ist der Hauptverantwortliche.

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  2. ballblog sagt:

    Sie wird schon bis zum Ende der Legislaturperiode durchhalten. Fraglich ist allerdings, wann diese Leg.-Periode endet. 🙂
    Spannend wäre es wirklich, wenn ein Merz aus der Versenkung zurückkehren würde und Merkel dann „unter ihm“ Kanzlerin wäre. Er gehört ja zur Mannschaft der „Weggebissenen“…

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  3. rabohle sagt:

    Der erste Satz trifft den Nagel auf den Kopf. Sie hat es bestimmt und alle Anderen sehen wieder einmal blass aus.
    Wer nun Nachfolger wird? Na, Özil, ist doch klar. 🙂 🙂

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