Moment mal: Merkel 2.0?

Nun also hat die CDU eine neue Parteivorsitzende. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer jedoch eine von mir unerwartete. Denn für mich war Friedrich Merz der eindeutige Favorit. Ich glaubte fest daran, dass die Parteimitglieder der scheidenden Parteivorsitzenden A. Merkel einen kleinen Denkzettel verpassen wollten und man Annegret Kramp-Karrenbauer schon deshalb nicht wählen würde, weil sie die Linie der Bundeskanzlerin in groben Zügen weiter fährt.

So kann man sich irren. Stellten sich die Delegierten etwa auch die Frage, wie es mit der Regierungskoalition in Berlin weitergehen würde, wenn man F. Merz wählt? Denn mit ihm wäre es wohl noch schwieriger geworden. Hat man also A. Kramp-Karrenbauer des lieben Koalitionsfriedens gewählt? Diese Frage könnte uns nur die CDU beantworten. Also ist es müßig, dahingehend weiter zu spekulieren.

Für die neue Parteivorsitzende dürfte es ohnehin schwer werden die Partei zu einigen. Zu tief sitzt der Stachel der Merz-Anhänger. An dieser Aufgabe wird sich die neue Vorsitzende messen lassen müssen. Wie sehr das ein Balanceakt wird, zeigt schon die Wahl des neuen Generalsekretärs. Paul Ziemiak soll ihr dabei helfen und seine Rede zeigte doch viel von Anbiederung an verbitterte Merz-Anhänger.

Die Wahl zum Parteivorsitz der CDU zeigte, die Bundeskanzlerin hat noch mehr Einfluss auf die Entscheidungen, als man glaubte. Und zweifellos dürfte die Wahl der Annegret Kramp-Karrenbauer für sie eine große Genugtuung sein. Nun darf man gespannt sein ob daraus automatisch auch eine Kanzlerkandidatur werden wird. Dann hätte die Bundeskanzlerin ihre Nachfolge so geregelt, wie sie es möchte.

Ob das für die Politik gut wäre, sei mal dahin gestellt. Das wird die Zukunft zeigen. Jedoch dürfte es für die SPD momentan schwierig sein, sich noch glaubhaft aus der von ihr ungeliebten Koalition zu schleichen. Das wäre mit der Wahl von F. Merz einfacher gewesen.

Einen weiteren Sieger gibt es ohnehin. Die AfD muss sich um ihren Fortbestand kaum Sorgen machen. Das zeigte auch die sehr zufriedene Aussage von A. Gauland.