Moment mal: Sicherungsverwahrung und Freigänger?

Als ich das vor einigen Tagen im Radio hörte, glaubte ich, mich verhört zu haben. In Berlin ist ein Häftling, der nach verbüßter Strafe in eine Sicherungsverwahrung kam, nach einem Freigang nicht zurückgekehrt.

Bisher glaubte ich, wenn eine Sicherungsverwahrung nach der Haftstrafe angeordnet wird, so muss von diesem Täter eine besondere Gefahr ausgehen. Wäre ja irgendwie logisch, denn sonst könnte er nach verbüßter Haftstrafe die Haftanstalt als freier Mann verlassen. Doch auch in der Sicherungsverwahrung gibt es Unterschiede. Das Bundesverfassungsgericht hatte in einem Grundsatzurteil verlangt, dass auch in der Sicherungsverwahrung den Tätern die Möglichkeit zu einer geregelten Rückkehr in den Alltag ermöglich werden muss. Soll heißen, auch Menschen die, so die Meinung der Experten, eine Gefahr für Bürgerinnen und Bürger darstellen, müssen unter bestimmten Voraussetzungen Freigang bekommen. Meist werden ihnen zwei „Aufpasser“ zur Seite gestellt.

https://mediathek.rbb-online.de/tv/Abendschau/Gefangener-kehrt-nicht-in-Sicherungsverw/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3822076&documentId=60917716

Bei dem getürmten Freigänger war das nicht der Fall. Er durfte, obwohl er in Sicherungsverwahrung war, ohne Freigänger gehen und türmte. Mittlerweile wurde er allerdings wieder festgenommen.

Doch ist es manchmal schwierig Justitia zu verstehen. Entweder ist jemand ein Sicherheitsrisiko, dann verstehe ich nicht, wie er Freigänger sein kann, oder er ist es nicht mehr, dann gehört er nicht in die Sicherungsverwahrung.

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Berlin.

6 Kommentare zu “Moment mal: Sicherungsverwahrung und Freigänger?

  1. nana sagt:

    Dazu passt diese Meldung:

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/03/berlin-sicherungsverwahrte-offener-vollzug-jva-tegel-justiz.html

    „Das Gesetz für die Sicherungsverwahrung sieht vor, dass jährlich geprüft wird, ob der Häftling noch als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft wird. Ist dies nicht mehr der Fall, kommt er auf Bewährung frei.“

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    • sigurd6 sagt:

      Natürlich kann ich die Bedenken dieser Familie verstehen. Nur müssen der Justizsenator und die Justiz, der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes folgen.

      Der Satz aus dem Bericht, „Psychologen haben sich schon des Öfteren geirrt“, ist leider sehr realistisch. Ob Gefangene die als besonders gefährlich eingestuft werden, denn nur dann kommen sie nach der Verbüßung ihrer Gesamtstrafe in Sicherungsverwahrung, irgendwann als ungefährlich eingestuft werden können, wird wohl immer ein gewisses Risiko bleiben.

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  2. WernerBln sagt:

    Ich kann Ihrem Unverständnis nur zustimmen! Sicherungsverwahrung mit unbegleitetem Freigang, welchen defekten Juristen- oder Politikerhirnen entstammt das denn!
    Allerdings (leider) kann mich seit geraumer keine Perversität unserer Justiz mehr wirklich verblüffen, so auch diese nicht!
    Ist ja alles „Im Namen des Volkes“
    😉

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  3. rabohle sagt:

    Berlin ist wohl immer für Spezielles gut. 😉 🙂 🙂

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