Ausgeschlachtet

Die Würde des Menschen ist wohl doch antastbar, zumindest, wenn es nach dem Gesundheitsminister Jens Spahn geht. Er möchte, dass jeder, der nicht zu seinen Lebzeiten einer Organspende widerspricht, nach seinem Tod ausgeschlachtet werden kann.

Der Mensch, das wandelnde Ersatzteillager. So könnte man es auch formulieren. Nun ist es nicht so, dass ich etwas gegen Organspenden habe, nur sollte sie kein Automatismus sein. Und welcher junge Mensch denkt schon an den Tod und widerspricht in jungen Jahren einer Organspende? Genau darauf hofft der Gesundheitsminister. Denn sonst würde er es bei der jetzigen Regelung des Organspendeausweises belassen.

Dass die Spendenbereitschaft in der Bundesrepublik in den letzten Jahren merklich zurückging, liegt wohl auch an den Meldungen des Missbrauches. Und wer garantiert überhaupt, dass es nach der Gesetzesänderung nicht wieder zum Missbrauch kommt?

Wenn z. B. ein Hartz IV-Empfänger auf ein Spenderherz hofft und ein Manager eines großen Konzernes ebenfalls, der Hartz IV-Empfänger schon länger darauf wartet, wer bekommt dann das Spenderherz? Die Antwort darauf könnt ihr euch selbst geben.

Der Karikaturist K. Stuttman hat dazu so seine Meinung.

stuttmann40.jpg

21 Kommentare zu “Ausgeschlachtet

  1. rabohle sagt:

    So bekloppt ich auch den „Schwammkopf der Politik“ halte – diese (ansich ältere) Idee finde ich gut, da sie eben Leben retten kann.

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    • sigurd6 sagt:

      Das kann es auch mit der bisherigen Regel. Dieser Widerspruchsklausel bedarf es nicht. Da hofft man ganz einfach auf die Trägheit der Menschen. Und genau das finde ich einen unehrlichen Weg, an Organe zu kommen.

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      • rabohle sagt:

        Genau diese Trägheit ist es, die aber dann vielleicht Hilfe bei Nochlebenden verhindert.

        Ich sehe da auch nichts Unehrliches, wenn ich die Entnahme verweigern kann.

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  2. ballblog sagt:

    Ich finde es allein schon befremdloich, daß der Staat nicht nur ins Leben, sondern jetzt auch noch in den Tod eingreifen möchte.

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  3. JanJan sagt:

    In Belgien ist es auch so geregelt und hier müssen Menschen eben nicht so lange auf ein Spenderorgan warten.
    Ein schwieriges Thema, aber ich glaube man sieht das ganz anders, wenn man selbst (oder Familie) dringend ein Organ braucht und jeden Tag fürchten muss, dass es zu spät ist.

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    • sigurd6 sagt:

      Ich finde Argumente wie, „wenn man selbst oder Familie“, immer fragwürdig.

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      • JanJan sagt:

        Warum? Ich denke erst dann kann man diesen Leidensdruck nachvollziehen.
        Es ist ja auch nicht so, dass du unbedingt MUSST, du kannst ja widersprechen.
        Deine Bedenken arm gegen reich teile ich allerdings.

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        • sigurd6 sagt:

          Das ist für mich ein ebensolches Totschlagargument, wie wenn jemand bei einem Mord gegen die Todesstrafe ist. Dann wird oftmals auch damit argumentiert, ja wenn es dich oder deine Familie betreffen würde …

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          • JanJan sagt:

            Hmmm schwierig… Ich kann deinen Gedanken nicht ganz folgen Sigurd. Angenommen wenn du jetzt Spender sein möchtest, musst du AKTIV werden, sprich einen Spenderausweis besorgen. Bei neuem Gesetz müsstest du AKTIV werden um selbigem zu widersprechen. Wobei es in Belgien reicht, wenn man einen entsprechenden Zettel bei sich trägt.
            Was ist daran so schlimm?
            Natürlich bin ich ganz klar gegen einfach „ausschlachten“.
            Gegen die Todesstrafe habe ich durchaus nichts… Anderes Thema 😉

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            • sigurd6 sagt:

              Also Spenderausweise waren oder sind oft irgendwo beigelegt. Da kommt man relativ gut ran. Außerdem kann man es bestimmt mit seinem Hausarzt absprechen.

              Ich habe das z. B. getan und ich dürfte wegen meiner chronischen Erkrankung nicht einmal Blut spenden. Obwohl die Krankheit nicht ansteckend ist. Trotzdem würde ich einer Organentnahme widersprechen. Schon weil ich den Ärzten zutraue, dass sie trotz meiner chronischen Erkrankung etwas entnehmen würden.

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            • JanJan sagt:

              Ist doch auch völlig in Ordnung, jeder muss das für sich entscheiden 👍

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          • rabohle sagt:

            @Sigurd
            Aber ist es nicht ebenso ein „Totschlagargument“, wenn Du im Text erklärst, dass junge Leute nicht an den Tod denken?

            Wer denkt bei seiner Hochzeit an eine Scheidung und macht einen Ehevertrag?
            Wer denkt bei seiner Hochzeit an den Tod und macht ein Testament, damit plötzlich nicht Schwiegereltern erben?

            Aber genau da setzt das Gesetz eben auch auf das „Unterlassen“ und regelt die Verhältnisse. Warum also nicht genauso eine „Unterlassungsregelung“ bei der Organspende?

            Und natürlich ist es immer eine persönliche Situation; darum muss und kann Jeder ja auch persönlich entscheiden. Und es betrifft eben Jeden – so oder so.

            Vor knapp zwei Monaten mussten (und wollten) wir die Zustimmung zur Organspende erteilen (da eben kein Ausweis). Nur kamen zwei Dankesbriefe von den Empängern. Kein schlechtes Erlebnis und ich denke, dass sollte eben zum Automatismus werden, falls man nicht ausdrücklich es anders regelt (wie oben bei Scheidung und Testament).

            Aber wie Du schon treffend erklärst – jeder hat seine eigene Meinung.

            PS
            Noch ein Wort zu den angeblich bösen Ärzten, die Leben erhalten – das hat nichts mit dem Organausweis zu tun (auch wenn hier jemand anders solch unbelegte Schauermärchen erzählt), sondern mit der Haftung der Ärzte). Ich hatte ja schon selbst bei uns auf dem Blog über einen Prozess berichtet; und der Sterbende dort hatte keinen Ausweis.
            Und wenn behauptet wird, dass jemanls quasi als Ersatzteillager gehalten wird, mag es so etwas doch bitte einmal nachweislich belegen!

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            • sigurd6 sagt:

              Aber ist es nicht ebenso ein „Totschlagargument“, wenn Du im Text erklärst, dass junge Leute nicht an den Tod denken?

              Das ist ein Totschlagargument? Gut wenn Du meinst, verstehen muss ich das jetzt aber nicht, oder?

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  4. WernerBln sagt:

    Was wenig beachtet wird: Wer eine Patientenverfügung hat, die sinnlose Apparatemedizin untersagt, kann dies vergessen, wenn er als Organspender gilt. Er wird bis zur Feststellung des Hirntodes und folgender Organentnahme an alles angeschlossen, was nur geht!

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    • sigurd6 sagt:

      Und wer will es schon überprüfen. Die Ärzte können immer argumentieren, dass es für den Patienten noch Hoffnung auf Genesung gibt. Da dürfte die Beweisführung dagegen sehr schwierig sein.

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      • WernerBln sagt:

        Ich fürchte hauptsächlich, dass meine Patientenverfügung mit der Begründung „Organspender“ schlichtweg ignoriert wird.

        Im ehemaligen Kollegenkreis habe ich schon erfahren (leider erst anlässlich der Beisetzung), dass eine existierende Patientenverfügung aus angeblich ethischen Gründen schlichtweg ignoriert wurde. Die Angehörigen waren leider nicht in der Lage / Verfassung, sofort Strafanzeige zu erstatten.

        Im angeheirateten Familienkreis habe ich es erlebt, dass bei fehlender Patientenverfügung ein Krebspatient im Endstadium trotz eindeutig gegenteiliger Aussage der Familie sinnlos aber gewinnbringend bis zum Tode intensiv behandelt wurde. Die Kosten dürften sich im unteren sechsstelligen Bereich bewegt haben, einschließlich der mehrfachen Hubschraubertransporte zwischen den beiden beteiligten Kliniken. Dabei haben die behandelnden Ärzte auch nicht davor zurückgeschreckt, die eigentlich aufgrund der mündlichen Bekundungen des Betroffenen vorhandene Meinung der Angehörigen (Ehefrau, Kinder) durch „Einzelbearbeitung“ zu differenzieren!

        Auch deshalb stimme ich Ihrer Auffassung natürlich voll zu und sollte „Organenteignung“ Gesetz werden, werde ich sofort widersprechen!

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