Moment mal: Wann kommt man …

… endlich zu einer Lösung?

Ich stelle mir mal folgendes Szenario vor. Ein Kreuzfahrtenschiff schippert durch das Mittelmeer und die Besatzung oder Passagiere sehen ein Flüchtlingsboot das zu kentern droht und deren Insassen laut um Hilfe rufen. Was nun? Der Kapitän müsste die Maschinen stoppen um den in Seenot geratenen zu helfen. Eigentlich ist das ein Verhalten, das zwingend erforderlich wäre.

Doch nach der Logik des italienischen Innenministers wäre er dann wohl auch ein Helfer der Schlepper oder würde sich selbst in Verdacht bringen, mit Schleppern gemeinsame Sache zu machen. Er würde wohl im Mittelmeerraum kaum einen Hafen finden, in dem er anlegen dürfte. Was für eine paradoxe Situation. Geltendes Seefahrtsrecht würde mit Füßen getreten. Denn jeder Kapitän ist gehalten, aus Seenot gerettete schnellstmöglich in einen sicheren Hafen zu bringen.

Zugegeben, die Geschichte wird sich so im Mittelmeer kaum abspielen, da Schiffe der internationalen Seefahrt wahrscheinlich Routen wählen um ja nicht mit solchen Booten konfrontiert zu werden. Doch zeigt sie, wie paradox das Verhalten der Staaten der EU ist. Natürlich ist das Verhalten der Regierung Italiens und hier insbesondere das, des Innenministers Salvini zu verurteilen. Jedoch sollte man dabei nicht übersehen, dass dieses Verhalten eben auch aus dem Verhalten der übrigen EU-Staaten resultiert. Man hat Griechenland, Italien und, was oft vergessen wird, Spanien mit diesem Problem praktisch alleine gelassen.

Es sind immer nur einige wenige Staaten bereit Flüchtlinge die an den Stränden der genannten landen, aufzunehmen. Andere Staaten wie die Rosinenpickerstaaten Osteuropas lehnen es kategorisch ab. Berlin hat mittlerweile schon mehr Flüchtlinge aufgenommen als alle ehemaligen Ostblockstaaten zusammen. Das kann jedoch auch keine Lösung sein.

In Brüssel kümmert man sich zwar um die Krümmung der Gurke, nur ist man nicht fähig innerhalb von 3-4 Jahren ein vernünftiges Konzept zur gerechten Verteilung der Flüchtlinge zu erarbeiten und durchzusetzen. Und zwar bei den EU-Staaten und den Flüchtlingen. Denn es kann auch nicht sein, dass Menschen, die in Europa Schutz suchen bestimmen in welchem Land sie Schutz haben möchten.

Gerade die letzten Tage haben gezeigt, wie ohnmächtig die EU doch diesem Problem gegenüber steht. Es dauerte über 2 Wochen bis man 52 Flüchtlinge der Sea Watch auf einige Staaten der EU verteilen konnte. Ein echtes Armutszeugnis.

Den Kopf in den Sand stecken und so tun als könne man das Problem schon irgendwie aussitzen wird nicht gehen. Denn der Flüchtlingsstrom wird in den nächsten Jahrzehnten eher anwachsen denn abebben.

Die Industriestaaten die am meisten zur Klimaänderung beigetragen haben und ihren Dreck liebend gerne nach Afrika schipperten um ihn dort abzukippen, werden nun damit leben müssen, dass die, die davon am meisten betroffen sind, obwohl sie nicht viel dazu beigetragen haben, in eben diese Verursacherstaaten kommen um dort ein besseres Leben führen zu können.

Natürlich hört man das in den westlichen Industrieländern nicht gerne. Wer lässt sich schon gerne einen Spiegel vorhalten um darin eine hässliche Fratze zu sehen, doch damit werden wir uns arrangieren müssen. Wahrscheinlich nicht heute oder morgen. Jedoch in den nächsten Jahrzehnten.

Und schlau wäre es, wenn man hierfür schon heute belastbare Konzepte erarbeiten würde. Doch dazu scheint mir der schwerfällige Apparat in Brüssel kaum in der Lage. Und so wird man weiter wursteln und sich gegenseitige Schuldzuweisungen um die Ohren hauen.