Weihnachtsstimmung?

Ich weiß nicht wie es anderen geht, nur ist bei mir noch nicht der Anflug von Weihnachtsstimmung da. Das geht mir jedoch schon seit Jahren so. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ja eh immer frei habe und ich mich nicht mehr auf ein paar freie Tage zum Jahresende freuen muss. Und keine Kunden mehr habe, denen kurz vor Weihnachten einfällt, dass es tatsächlich auch in diesem Jahr ein Weihnachtsfest gibt.

Ein weiterer Punkt ist die vollständige Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes. Schon im September findet man erste Weihnachtsprodukte in den Einkaufstempeln. Und sie werden auch dann schon gekauft. Gibt es bei uns nicht. Vor dem 1. Advent kommt uns nichts ins Haus. Und dann diese, wie ich sie immer nenne „Pizzastuben“, da werden Balkone zu wahren Lichtorgientempeln aufgerüstet. Und da soll nun Weihnachtsstimmung aufkommen? Ich muss darüber eher lachen. Als wir vor 35 Jahren noch in Kreuzberg wohnten hatte ein Nachbar im Haus gegenüber sein Fenster mit solchen Lichterketten bestückt und diese blinkten auch noch, da sprach ich erstmals von einer Pizzastube, denn solch blinkendes Zeugs fand man tatsächlich, nicht nur zur Weihnachtszeit, an Pizzastuben. Heute kommt es mir fast vor, als würden Nachbarn nur gegenseitig geiern was der andere hat um dann aufzurüsten.

Nur, was hat das alles mit Weihnachten zu tun? Mit der sogenannten besinnlichen Adventszeit? In den Kaufhäusern und den Einkaufstempeln entbrennt der jährliche Kaufrausch und viele haben schon hektische Flecken im Gesicht. Sie kommen mir vor, als wenn sie verfolgt würden. Vielleicht vom Kaufwahn?

Und von einigen höre oder lese ich von Weihnachtsstress? Wer ist denn dafür verantwortlich? Jeder für sich selbst, finde ich. Man muss sich auch in der Weihnachtszeit keinem Weihnachtsstress aussetzen. Sondern kann es ganz ruhig angehen lassen. Einfach mal runterkommen und sich vielleicht, ein klein wenig daran zu erinnern, welche Bedeutung das Weihnachtsfest eigentlich hat. Es war in dieser Nacht, die ja bekanntermaßen nicht die Nacht des 24. Dezember war, alles andere als ein Fest des Kaufrausches. Sondern eher die Geburt eines Kindes von zwei flüchtigen Eltern. Das Kind wurde also in ärmlichen Verhältnissen geboren. Und dann kann man sich auch folgende Frage stellen, wenn ein Paar auf der Flucht mit einer hochschwangeren Frau heute an unsere Türen klopfen würde, würde ihm geöffnet und ein Platz zur Niederkunft gegeben werden?

Ich wünsche euch einen schönen dritten Advent.