Hatten es unsere Großeltern einfacher?

Dreht er jetzt völlig durch, werden sich manche fragen, die hatten zumindest einen Weltkrieg erlebt, wenn nicht sogar zwei. Stimmt, meine Großeltern sogar zwei. Doch ich meine mit einfacher das Fernsehprogramm.

Als die Flimmerkiste in den deutschen Wohnzimmern Einzug hielt, da gab es nur ein Programm. Klar es war „Das Erste“. Und das sendete nicht rund um die Uhr sondern meist zwischen 16-0:00 Uhr. Dann ertönte die Nationalhymne und Schluss war.

Am 1. April 1963 startete dann das Zweite Deutsche Fernsehen. Also ein echter Aprilscherz. Und man hatte von nun an die Qual der Wahl. Was gab es damals für böse Stimmen, als einige beliebte Moderatoren des 1. Programmes zum ZDF wechselten. Der bekannteste unter ihnen war wohl der hochgeschätzte Harry Valerien. Nun konnte man zwischen zwei Programmen wählen. Jedoch sendete auch das ZDF keinesfalls ein 24 Stunden Programm.

Am 22. September 1964 startete der Bayerische Rundfunk als erste ARD Anstalt mit seinem 3. Programm. Es sollte und daran erinnert heute nichts mehr, ein Bildungsprogramm sein. Anfangs war es das auch.

Diese drei Programme waren einige Jahre für die Fernsehunterhaltung verantwortlich und konnten in vielen Gebieten der Bundesrepublik und auch in weiten Teilen der DDR empfangen werden.

Aber man merkte sehr schnell, dass das erste und das zweite Programm nicht nur informierten, sondern auch für eine politische Richtung standen. Während das 1. Programm eher die Wähler der SPD ansprach, wurde im ZDF der CDU/CSU und FDP Wähler angesprochen. Das jedoch auf eine eher dezente Weise.

Der damalige Tatort im 1. Programm hieß z. B. „Stahlnetz“. Mir ist eine Sendereihe besonders in Erinnerung. Sie hat mich damals doch sehr beschäftigt. In der sechsteiligen Sendung „Am grünen Strand der Spree“ erzählten sechs verschiedene Personen von ihren Kriegserlebnissen.

Am Sonnabend kamen meist Shows für die ganze Familie und wer kann sich heute noch vorstellen, dass sich am Sonnabendabend die gesamte Familie vor dem Bildschirm einfindet?

Ein Straßenfeger des ZDF war z. B. die Sonnabendshow „Vergissmeinnicht“ mit Peter Frankenfeld. Während Hans Joachim Kulenkampff mit „Einer wird gewinnen“ (EWG) ebenfalls ein Quotenkönig des 1. Programmes war.

Für uns jungen war der Sonnabendnachmittag viel interessanter. Da liefen Serien wie „Am Fuß der blauen Berge“, Ivanhoe und „Wyatt Earp“.

Oder erinnert sich noch jemand an die Vorabendserien „Isar 12“ oder „Abenteuer unter Wasser“? Ich mochte eine Sendung des Abendprogramms der ARD ganz besonders, sie hieß „Das Fernsehgericht tagt“. Da wurden jeweils reale Fälle anhand von Gerichtsakten nachgespielt. Leider gibt es dazu nichts auf YouTube.

Doch im Jahr 1984 sollte sich die Fernsehlandschaft der Bundesrepublik verändern. Mit SAT1 und RTL gab es erstmals zwei Privatsender in Deutschland. Und es wurden fortan mehr. Die Programmvielfalt wuchs, ob die Qualität dadurch gewachsen ist, muss jeder für sich entscheiden.

Und es war nicht das Ende der Entwicklung. Heute wird, meist von jungen Menschen mehr gestreamt als in die Glotze geguckt. Nach Kaffee to go, gibt e nun auch Fernsehen to go. Und verschiedene Anbieter locken mit unzähligen Filmangeboten.

In nicht einmal 60 Jahren hat sich die Medienlandschaft in Deutschland sehr verändert. War Fernsehen in den 1950er, 60er und 70er Jahren eher eine Familienunterhaltung, so gibt es diese Form der Unterhaltungssendungen heute nicht mehr. Konnte man in den 1960er Jahren zwischen maximal 3 Sendern wählen, außer in den Randgebieten zur DDR und in Westberlin, da bekam man noch das DDR Fernsehen rein, so kann man heute zwischen unzähligen Fernsehanstalten und Streamdiensten wählen.

Und die Medienlandschaft wird sich bestimmt noch weiter verändern. Ich bin versucht zu schreiben, so schlecht war das in den 1950er und 1960er Jahren gar nicht. Kein Fernsehprogramm rund um die Uhr, keine Werbung nach 20:00 Uhr, Sendungen und Moderatoren wurden nicht gesponsert von …, jedoch lässt sich die Zeit nicht zurück drehen. Und das möchte ja auch niemand ernsthaft, oder?