So verliert man Kunden

Bis jetzt habe ich den ganzen Rummel um Covid-19 mit Gelassenheit und Humor verfolgt. Die Toilettenpapierräuber, die Mehl- und Zuckerhamster, die Hefehamster und, und, und. Doch gestern reichte es auch mir.

Ich hatte extra bis zum achten des Monats gewartet um dem ersten Ansturm auf die Geldautomaten zu entgehen. Doch gestern war es nun soweit, ich fuhr zur Bank, wohl wissend, dass man nur Geld abheben kann, ansonsten ist sie geschlossen. Doch mehr wollte ich je nicht. Also Auto eingeparkt, die Tür zur Filiale vorsichtig geöffnet und schon sah ich in ratlose Gesichter.

In dieser Filiale, einer großen deutschen Bank, ich verrate natürlich nicht den Namen, sind drei Geldautomaten. Zwei davon waren besetzt, und als ich mich hinter einer Frau brav anstellte, da ich keine großen Scheine mag und weiß, dass der in der Mitte, kleinere Scheine ausgibt, drehte diese sich um und sagte, ich könne es auch am dritten Automaten versuchen, bei ihr ging er nicht und sie wartet jetzt schon einige Minuten an diesem und es geschieht nichts.

Also ging ich dann doch zum Automaten nebenan, schob die Karte rein und alles lief normal. Den Betrag habe ich eingegeben, die Geheimzahl und dann …, ja dann …, und nach einer Weile immer noch dann …, also nach einer weiteren Weile und dann …, kam die Meldung, aus technischen Gründen ist eine Auszahlung momentan nicht möglich. Und nach weiteren unendlichen Minuten kam die Karte dann auch wieder raus.

Die Frau die mich schon vorher darauf aufmerksam machte, dass da etwas schief läuft, wartete noch immer auf ihre Karte und am ersten Schalter stand eine Frau mit ihrem Rollator, die tatsächlich nur sehr schlecht laufen konnte. Für sie tat es mir besonders leid, dass die Auszahlung nicht möglich war.

Da betrat ein Mann die Bank, dem ich sogleich sagte, er kann sich das reinstecken der Karte schenken, es funktioniert nicht und es dauert ewig, bis die Karte wieder heraus kommt. In diesem Moment betrat ein weiterer Mann die Bank, und hörte wie der, dem ich sagte, dass die Auszahlung nicht geht, sagt, dann fahre ich halt in die Filiale B. Worauf der eben eingetretene erwiderte, er hatte die Situation wohl sehr schnell erkannt, das hat keinen Zweck, da komme er gerade her.

Ich war, das muss ich zugeben, einigermaßen angefressen. Nicht weil ich kein Geld bekam, sondern wegen der Frau, die sehr schlecht laufen konnte. Für sie ist es bestimmt nicht angenehm, wenn sie kein Geld abheben kann. Und bargeldlos kann man, auch im Jahr 2020 in Berlin, nicht überall zahlen. Auch wenn man Filialen wegen Covid-19 vorübergehend schließt, so kann man, als große Bank dafür sorgen, dass die Geldautomaten bedient werden.

Ich sehe dahinter auch den Versuch, die gegenwärtige Lage auszunutzen, um den Kunden die bargeldlose Zahlung aufzudrängen. Damit man mit den lästigen Kunden noch weniger zu tun hat, die Gebühren jedoch nicht nach unten angepasst werden.

Da ich bargeldlose Zahlung nicht mag, werden sie bei mir kein Glück haben..

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Berlin.

2 Kommentare zu “So verliert man Kunden

  1. Lilith sagt:

    Ich zahle auch nur bar und wir haben bis jetzt, zum Glück, immer noch Geld am Automaten abheben können. Mal schaun, wie sich das entwickelt.

    Liken

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