Moment mal: Nun mal langsam

Dass es im Herbst wieder steigende Infektionszahlen von Covid-19 geben wird, war klar. Es wird auch wesentlich mehr getestet als im Frühjahr, da jetzt mehr Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Da Lage ist noch überschaubar und man sollte sich vor Panik hüten. Schon deshalb sind mir verschiedene Appelle, wie z. B. die der Bundeskanzlerin unverständlich. Es kommt also Unheil über uns? Sorry das ist nicht dazu angetan die Bevölkerung zu beruhigen. Noch weniger sind es die Beschlüsse der Regierenden.

Ich kenne niemanden, der das Beherbergungsverbot versteht. Mit dieser Verordnung haben sich die Länderchefs ein sehr dummes Eigentor geschossen. Auch wenn sie es in bester Absicht verfasst haben mögen. Nur wie soll jemand in Berlin verstehen, dass er nicht an die Ostsee fahren kann um dort zu übernachten oder einfach nur in Brandenburg übernachten möchte, jedoch in die Toskana darf er fahren oder ganz easy nach Antalya fliegen. Mittlerweile haben es die meisten Bundesländer wieder gekippt bzw. einige hatten es erst gar nicht eingeführt.

Einige Verordnungen, wie z. B. das Beherbergungsverbot oder die Sperrstunde in Berlin wurden von Gerichten in die Tonne getreten. Jeden Tag wird eine neue Corona-Verordnung durchs Dorf getrieben um dann doch nicht angewendet zu werden.

Die Pandemie zeigt ganz deutlich die Schwächen des Föderalismus auf. Ja manchmal kommt es einem fast so vor, als würde die Bundesrepublik sich wieder in einzelne Fürstentümer oder Grafschaften zurückverwandeln. 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten müssen sich auf etwas einigen und leider kommt dabei oft der kleinste gemeinsame Nenner heraus. Weil man selbst bei diesen Entscheidungen weniger daran denkt die Menschen zu schützen, sondern an seine Chancen mit diesen Ergebnissen seine Wiederwahl zu sichern.

Für einige steht sogar die Frage einer Kanzlerkandidatur im Raum. Und so versuchen sie sich eben über Covid-19 zu profilieren. Wenn ich z. B. M. Söder vorgestern bei Markus Lanz hörte wie er das Beherbergungsverbot verteidigte, und er von zwei bei M. Lanz geladenen Gäste entgegengehalten bekommt, dass es fast nichts bringt und es nicht einmal 8 Stunden später in Bayern abgeschafft wird, dann steckt für mich einfach nur Populismus dahinter und der hilft niemanden.

Die Bevölkerung in der Bundesrepublik steht noch immer zum größten Teil hinter den Beschlüssen der Politiker und Politikerinnen. In Umfragen sind es zwischen 65-75 Prozent.

Jedoch dürfen Politikerinnen und Politiker dieses Vertrauen nicht leichtfertig mit Maßnahmen verspielen, die niemand mehr nachvollziehen kann. Leider hat es den Anschein, dass genau das der Fall ist.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Meinung.

4 Kommentare zu “Moment mal: Nun mal langsam

  1. ballblog sagt:

    Als schlecht an der ganzen Sache finde ich, daß nicht einmal hinterfragt wird, warum man sich im aktuellen Hotspot Berlin trifft statt per Video zu konferieren? Noch dazu, wo diese Konstellation mit Kanzlerin und MPs ja nicht beschlußfähig ist geschweige denn sowas wie ein „Not- Kabinett“ darstellt. Es geht dabei nur um große Worte und tolle Bilder.
    Und diese Regeln sind in ihrer Differenziertheit ja gar nicht schlecht. Sie sollten nur nachvollziehbar sein. Da werden viele aber erst jetzt aktiv, die vorher diejenigen, die etwas hinterfragt haben, sofort in die ganz weit rechte Ecke gesteckt haben.

    Konkret: bei Tönnies war es ja sehr leicht verfolgbar, wie sich das Virus ausgebreitet hat. Trotzdem gab es in Niedersachsen Beherbergungsverbote für Menschen mit GT- oder WAF- Kennzeichen, In Meck-Pomm sowieso. Das traf eine halbe Million Menschen, die zum Teil 40 km vom Tönnieswerk entfernt wohnten. – Wo blieb denn da der deutschlandweite Aufschrei? Stattdessen kommt mein Spezi Hubsi Heil mit Werkverträgen um die Ecke. Nur die Leute erkrankten nicht an Werkverträgen, sondern an Corona und den Wohnbedingungen.

    Es ist die eigene Vernunft, weshalb man diese Corona- Regeln einhalten sollte. Diese Appelle aus Berlin oder sonstwo, die manchmal eher nach Brettspiel- Beschreibungen erinnern mit viel Wenn-Dann- Optionen (Personen pro Hausstand in Abhängigkeit von irgendwas…) – all das nervt doch nur noch.
    Und nicht zu vergessen: vor Ort interpretiert jeder die Regeln noch einmal anders mittels Hausrecht. In einem Markt hier darf (!) ich nicht mehr mit Bargeld bezahlen. Ein anderer versteckt sich hinterm Ordnungsamt. Habe mal im Amt angerufen, diese „Anordnung“ existiert seit MOnaten nicht mehr… usw.
    All diese kleinen Dinge drohen die Akzeptanz der Regeln und die Ernsthaftigkeit im Umgang mit Corona zu verspielen und das ist derzeit die größte Gefahr.

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    • sigurd6 sagt:

      Und nun gibt es noch ein neues Spiel. Die Politikerinnen und Politiker beschließen Maßnahmen und die Gerichte kippen sie wieder. Das alles trägt wahrlich nicht zu einer klaren und vor allen Dingen einheitlichen Linie bei.

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  2. rabohle sagt:

    Derzeit ist Panik und Keiner weiß, was richtig sein wird.

    Am Anfang hat das RKI alles heruntergespielt und Masken für unnütz erklärt. Am Anfang haben Viele gedacht, China sei weit weg. Am Anfang wussten es alle besser.

    Fraglich nur, wann das Ende erreicht ist, denn dann könnte man vom Ergebnis her argumentieren.

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