Moment mal: Wenn ein Märchen endet

Es war einmal, so fangen alle Märchen an. Ja es war einmal vor ca. 20 Jahren, da wurde uns Bürgerinnen und Bürgern ein Märchen aufgetischt. Nicht von den Brüdern Grimm, sondern dem Duo Schröder und Fischer. Damals Bundeskanzler und Außenminister der Bundesrepublik.

Nach dem Terrorakt in New York sah man den NATO-Pakt als erwiesen an und um es dem Wahlvolk schmackhaft zu machen, wurde uns das Märchen von der Verteidigung der Bundesrepublik am Hindukusch aufgetischt. Ja die Sicherheit des Landes sollte durch die Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch verteidigt werden. Geglaubt hat das, so hoffe ich jedenfalls, niemand.

Ein Bundespräsident, an den sich heute kaum noch jemand erinnert, Horst Köhler, sprach auf einem Rückflug aus Afghanistan das an, was hier jeder dachte. Es ging um rein wirtschaftliche Interessen. Lange war Horst Köhler dann nicht mehr im Amt. Wo kommen wir denn hin, wenn ein Politiker die Wahrheit sagt?

Nach 20 Jahren ziehen die Soldatinnen und Soldaten endlich ab. Das ohne Wesentliches erreicht zu haben. Noch im neuen Bundestagsmandat vom März 2021 heißt es sinngemäß, der Abzug werde erst erfolgen, wenn die politischen Verhältnisse in Afghanistan es erlauben.

Diese Verhältnisse müssen sich in den letzten Wochen dann ja dramatisch verbessert haben. Oder wurde den Abgeordneten des Deutschen Bundestages im März einfach etwas vorgegaukelt, um das Mandat zu verlängern? Die amerikanische Regierung und ihr Präsident machen Druck um schnell aus Afghanistan wegzukommen. Die Bundesregierung scheint davon mal wieder völlig überrascht zu sein.

Deshalb wirkt der Rückzug der Truppe ebenso chaotisch wie der ganze Einsatz. Trotzdem bin ich sehr beunruhigt, denn nun wird unsere Sicherheit nicht mehr, zumindest nicht in Afghanistan geschützt.

Die Soldatinnen und Soldaten brauchen sich jedoch keine Sorgen zu machen. Die Verteidigungsministerin wird schon wieder ein Land finden, in das man sie schicken kann. Darin war schon ihre Vorgängerin große Klasse. Auch sie schnellte sofort hoch, wenn es darum ging, junge Menschen in gefährliche Einsätze zu schicken. Deutschlands Wirtschaftsinteressen, Quatsch natürlich Deutschlands Sicherheit muss doch verteidigt werden.

Wir haben es tatsächlich geschafft!

Als ich abends mit unseren Hunden spazieren ging, kam ich an einer Schule vorbei. Das Schild am Eingang musste ich dann doch fotografieren.

Ich frage mich, wie haben wir es früher geschafft, in die Schule zu kommen? Kein Auto brachte uns fast bis ins Klassenzimmer. Die Eltern zeigten uns den Schulweg und gingen vielleicht noch ein paar Mal mit uns. Dann gingen wir alleine. Zugegeben, zu meiner Schulzeit war natürlich noch weit weniger Verkehr, aber aufpassen mussten wir auch schon.