Fußball wie er einmal Spaß machte

Bei einem Blogkollegen hatte ich geschrieben, dass mir in den letzten Wochen der Fußball mal wieder richtig Spaß machte. Da wurde gekämpft, kein Ball verloren gegeben und sich gegenseitig angefeuert, statt zu überlegen, dass die Mitspielerin durch ihre Leistung ihren Marktwert steigern könnte.

Da wurde bei Rückschlägen, und davon gab es während des Turnieres einige, nicht gejammert, sondern einfach weiter gemacht und eine andere Spielerin sprang für die erkrankte oder verletzte Kollegin einfach ein. Da ging die ganze Bank mit und feuerte die Kolleginnen an, die auf dem Feld standen.

Keine Elfmeter wurden geschunden, es wurde hart, ja wie im Endspiel teilweise sehr hart gespielt und dennoch standen die Frauen schnell wieder auf und wälzten sich nicht ewig am Boden. Blieb eine liegen, so hat es tatsächlich wehgetan.

Man sah tolle Spielzüge und schöne Tore. Und genau damit hat sich die deutsche Mannschaft in die Herzen der Menschen gespielt. Und nicht nur sie, sondern in ganz Europa, wenigstens in den an der EM beteiligten Nationen, sah man das wohl ähnlich. Wer ohne Vorurteile die Spiele guckte, musste sich eingestehen, hoppla die spielen ja einen guten Fußball.

Mich erinnerte das an eine Zeit, als der Fußball mal die schönste Nebensache der Welt war. Doch die ist lange vorbei. Das genau machte für mich den Reiz der EM der Frauen aus. Fragt sich nur, wie lange wird es bei ihnen so bleiben.

Leider ist zu befürchten, dass die Euphorie die die deutsche Mannschaft entfachte, sich im Alltag der Bundesliga der Frauen nicht nieder schlägt. Dazu sind die Bedingungen vieler Mannschaften einfach zu schlecht und werden sich in nächster Zeit kaum ändern.

Wie sagte eine Sportpsychologin kürzlich, „Frauenfußball verkörpert, was bei den Männern verloren gegangen ist“. Ich finde, damit hat sie es sehr gut getroffen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fußball.

6 Kommentare zu “Fußball wie er einmal Spaß machte

  1. Catenaccio 07 sagt:

    Der Blog-Kollege war dann wohl ich… habe das Turnier wie erwähnt ja auch verfolgt, aber ich kann ganz ehrlich mit diesen Mann-Frau-Vergleichen nichts anfangen. Da wird auch ein bisschen viel reininterpretiert, warum auch immer. Gerade auf Twitter waren die letzten Wochen die Vorhölle. Soll jeder gucken was er mag, und andere gucken lassen was sie mögen, dann ist allen gedient.

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    • sigurd6 sagt:

      Da hast Du mich wohl falsch verstanden. Ich vergleiche den Frauen- nicht mit dem Männerfußball. Das wäre ohnehin ein törichter Vergleich.

      Mir missfallen einfach die Showeinlagen bei den Männern. Da bin ich wahrscheinlich sehr altmodisch. Auch die Ablösesummen und die Verdienste finde ich jenseits jeder Vernunft. Nicht, dass ich falsch verstanden werde, sie sollen gut verdienen, denn es ist ja nur ein begrenzter Zeitraum in dem sie auf hohem Niveau spielen können.

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  2. ballblog sagt:

    Leider kriegt es niemand gebacken, dass die Liga funktioniert. Wenn man sich das bei den Vereinen und dem Verband mal eingestehen würde, wären sie schon einen Schritt weiter.
    Schade um die vielen Vorreiterinnen in den Frauenfußball- Vereinene. Grün-Weiß Brauweiler etwa, Heike Rheine, Jahn Calden… Die sind allesamt verschwunden, seit sich der Trend durchgesetzt hat, Frauenfußball den großen Vereinen anzugliedern. Das sportliche Gefälle ist in der kleineren Liga dennoch sehr groß, die zuständige Generalsekretärin hält die Liga für spannend und ausgeglichen. Aus der eingleisig gemachten 2.>Liga steigt der Fünfte auf, weil die ersten vier Plätze von zweiten Mannschaften der Erstligisten belegt werden. Das paßt alles vorn und hinten nicht – aber da wollte ja nicht einmal die Frauen-Combo ran, die gern den DFB geleitet hätte, aber dann zur Wahl nicht antrat. Gibt also viel zu tun – oder zu akzeptieren, dass es hierzulande nicht so funktioniert wie anderswo.

    Ich finde es aber schön, daß Du am Gucken Gefallen gefunden hast. Hast Du denn jetzt vor, Dir mal ein Spiel vor Ort anzuschauen?

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    • sigurd6 sagt:

      Da käme ja nur Turbine Potsdam infrage. Und wie ich hörte, geht es bei denen im Moment drunter und drüber. Also eher nicht.

      Union und Hertha sollen auch eine Frauenmannschaft haben, jedoch noch nie etwas davon gehört.

      Ja die Spiele der deutschen Mannschaft habe ich mir gerne angesehen. Sie waren nie langweilig und bei zwei Toren hat es mich tatsächlich aus dem Sessel gerissen.

      Aber wie Du schreibst, der Ligaalltag ist noch weit entfernt von dem wie es z. B. in den USA und Kanada der Fall ist. Lippenbekenntnisse des DFB helfen hier nicht weiter.

      Ein VfL Wolfsburg und ein Bayern München reichen halt noch nicht.

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  3. rabohle sagt:

    Das 1:0 und das 1:1 waren sehr schön herausgespielte Tore. Das 2:1 erinnerte mich an das Gestochere der F-Jugend; die bilden dann auch immer eine Traube rings um den Ball . 😉

    Aber wenn Sportpsychologin nun erklären will, dass Frauenfußball das verkörpert, was bei den Männern verloren gegangen ist …. bin ich auch dafür, dass Männer nun mit BH unterm Trikot spielen sollten. 😉 Nee, sorry, aber so ein Vergleich ist doch wirklich komplett neben der Sache.

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    • sigurd6 sagt:

      Ich nehme an, sie meinte es ähnlich wie ich. Was mir am heutigen Fußball sehr missfällt, hatte ich in meiner Antwort an Catenaccio 07 schon geschrieben. Und ich fand es sehr erfrischend, dass eben genau das bei den Frauen kaum vorkam.

      Das 2:1 war in der Tat komisch. 😀

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